Inzwischen liegen den Behörden schon rund 20 Anzeigen gegen Gabi W. vor. Der Gesamtschaden, den sie zwischen 1997 und September 2003 angerichtet haben soll, beträgt nach Berechnungen der Polizei mindestens 680 000 Euro.
Viele Geschädigte kennen Gabi W. seit etlichen Jahren. Und vertrauten der Kosmetikerin offensichtlich blind. Rita K. (74) zum Beispiel gab ihrer Schwägerin 75 600 Euro – ohne Sicherheiten dafür zu verlangen. Zehn Prozent Zinsen soll ihr Gabi W. angeblich versprochen haben. Jetzt sind die Ersparnisse der Rentnerin offenbar weg.
Andere sollen Gabi W. nach Angaben der Staatsanwaltschaft gar bis zu 120 000 Euro anvertraut haben. "Als Anleger ihr Geld zurück wollten, weil die Verträge ausgelaufen waren, sie aber nichts bekamen, erstatten sie Anzeige", so der Cottbuser Sprecher der Staatsanwaltschaft Hans-Josef Pfingsten. "Viele gaben ihr das Geld einfach so, nur des guten Namens wegen."

"Wir sind angefüttert worden"

Auch Thomas K. (45) glaubte den Versprechungen der Kosmetikerin. Schließlich kannte er sie seit 25 Jahren, wie er gegenüber der RUNDSCHAU sagt. "Ich hatte ihrem Mann sogar Arbeit besorgt." Zunächst borgte Familie K. der Kosmetikerin mehrmals kleinere Summen. "Wir sind richtig angefüttert worden, das Geld kam zwei Jahre lang ja immer wieder zurück", sagt Thomas K. "Wir dachten, wir sind auf der sicheren Seite. Sie hatte das neue Haus, eine Firma, Arbeit. Doch dann platzte die Bombe."
Zuletzt hatte Familie K. an Gabi W. 49 200 Euro verliehen. Auf die Rückzahlung wartet Thomas K. noch heute. "Wir haben einen Schuldschein. Und ein Blanko-Scheck, den sie uns gegeben hatte, ist geplatzt." Thomas K. vermutet: "Das Ganze war wohl systematisch. Von dem neu geliehenen oder bei ihr angelegten Geld hat sie wahrscheinlich alte Gläubiger oder Kapitalanleger ausgezahlt."
Mit den 49 200 Euro hatte Familie K. eigentlich einmal ihren Kredit für ihr Häuschen ablösen wollen. Dass er das Geld doch noch zurückerhält, daran mag Thomas K. nicht mehr glauben. "Gabi W. hat mir erzählt, dass die Russen-Mafia ihre Tochter bedroht und ihr das Geld abgepresst hat", sagt Thomas K. "Aber das ist doch völlig unglaubwürdig, was soll die schon von einer Nagel-Klippserin wollen." Die Gerüchteküche in Finsterwalde brodelt. Geschädigte vermuten, dass Gabi W. ihr Geld auf irgendeinem Nummernkonto im Ausland deponiert haben könnte. Angeblich soll sich die Kosmetikerin häufiger in der Schweiz zu Fort- und Weiterbildungen aufgehalten haben. "Diese Frau hat völlig normal gelebt, hat nicht mit Geld um sich geschmissen, fährt kein großes Auto", sagt ein alter Bekannter.

Nur die Spitze eines Eisbergs?

Ein Geschäftspartner von Gabi W. glaubt indes, dass "das alles nur die Spitze des Eisbergs ist". "Ein Teil der Leute hatte da Schwarzgeld drin, ein Teil hat aus dem Pool Geld abgeschöpft, da werden die wohl kaum zur Polizei gehen."
Die Akte bei der Staatsanwaltschaft zu Gabi W. ist dennoch inzwischen schon mehr als 400 Seiten dick. Auch eine Bank hat die Kosmetikerin angezeigt. "Wegen Lastschriftreiterei", wie Staatsanwalt Hans-Josef Pfingsten erklärt. Gabi W. soll angeblich Rechnungen gefälscht haben, um höhere Umsätze vorzutäuschen und dadurch am Lastschriftverkehr teilnehmen zu dürfen. Die Lastschriften, die ihrem Konto gutgeschrieben worden seien, soll sie dann aber abgeräumt haben, so Pfingsten. "Den Schaden beziffert die Bank auf 165 000 Euro." Thomas K. ist verbittert. Als Opfer fühlt er sich verhöhnt. "Gabi W. läuft immer noch fröhlich durch die Stadt. Ich erwarte, dass die Staatsanwaltschaft diese Frau einlocht. Die soll sich ihr Geld im Kahn redlich verdienen."
Die Staatsanwaltschaft sieht bislang aber keinen Haftgrund. "Es gibt bei derartigen Delikten eine kurze Verjährungsfrist von fünf Jahren", sagt Pfingsten. "Wir wissen noch gar nicht, was alles verjährt ist." Gabi W. selbst will sich auf Anfrage nicht im Einzelnen zu den Vorwürfen äußern. "Das ist ein schwebendes Verfahren", sagt sie, kündigt aber an: "Abgerechnet wird zum Schluss."