Hans Ulbrich steht auf einer Anhöhe im Findlingspark, drückt sich in den Wind und genießt diesen Rundblick. "Sehen sie diese Dreieinigkeit - der Tagebau ist die Ursache, das Kraftwerk die Wirkung und wir sind das landschaftliche Endprodukt", sagt der Schöpfer des Findlingspark Nochten.

Blühendes Lebensprojekt
Auf sein blühendes Lebensprojekt ist Hans Ulbrich stolz. Besonders im Spätsommer und Herbst erstrahlt das Areal mit den 5000 Findlingen jedoch in seiner vollen Schönheit. Dann zeigen sich 160 verschiedene Heidesorten von Hellgelb bis Rotbraun in einem richtigen Farbenmeer. "Es ist ein Feuerwerk für die Sinne, wenn die Besenheide blüht. Der Park ist in seiner Art einzigartig in Mitteleuropa", sagt der Geschäftsführer des Fördervereins Findlingspark Nochten.
An dieses beeindruckende Gefilde zwischen Bautzen und Bad Muskau war vor Jahren noch nicht zu denken. An dem Ort, wo sich der Heide- und Steingarten erstreckt, klaffte vor Jahren noch ein riesiges Tagebauloch, 60 Meter tief. Von der Natur blieb nicht viel, nachdem die Kohle nach und nach gefördert worden war. Riesige Abraumberge ragten in den Himmel. Ulbrich selbst war als Geologe im Bergbau tätig, untersuchte, wo der wertvolle Rohstoff lagerte und wie mächtig die Schichten waren. Nun bezeichnet sich der 67-Jährige als Gartengestalter - für ihn war das nur ein kleiner Schritt.
"Schon vor 15 Jahren gab es die ersten Ideen zu einer anderen Bergbau-Rekultivierung", sagt Ulbrich. Damals lud ihn Siegfried Körber, Leiter Betrieb Tagebaue von Vattenfall Europe Mining & Generation, auf eine Kippe ein. Der Chef wusste, dass sein Mitarbeiter schon in seinem Garten einen Findlingspark en miniature erprobt hatte. "Aus einer Ecke, die mir dort besonders gut gefallen hat, entstand die Grundidee für dieses Projekt", sagt der Hobby-Gärtner. Im Jahr 1999 wurden Nägel mit Köpfen gemacht, der Förderverein gegründet und Fördermittel beantragt.
Inzwischen sind 15 Mitarbeiter im Findlingspark beschäftigt. Doch die Geschicke der ungewöhnlichen Tagebau-Ausgleichsmaßnahme liegen nicht allein in Ulbrichs Händen. Während er sich um die gärtnerische Gestaltung des Pflanzen- und Steinreichs kümmert, ist sein ehemaliger Kollege und Freund Klaus Kotzan derjenige, der für Zahlen und Investitionen verantwortlich ist. Mit dieser Aufgabe hat der 69-Jährige gerade alle Hände voll zu tun. Schließlich entsteht im Eingangsbereich ein neues Besucher- und Informationszentrum, das in wenigen Wochen eröffnet werden soll.

100 000 Gäste pro Jahr
"Insgesamt kostet der Bau 1,9 Millionen Euro, mit rund 700 000 Euro Eigenmitteln beteiligen wir uns", sagt der Bauherr. Nötig wurde der Neubau mit Ausstellungsbereich, Veranstaltungs- und Konferenzräumen sowie Sanitärräumen, weil die Park-Betreiber nicht einmal im Traum mit derartig hohen Besucherzahlen gerechnet hatten. "Anfangs haben wir an maximal 50 000 Gäste pro Jahr gedacht, nun sind es mehr als 100 000", sagt Kotzan. Doch die Besucher kämen längst nicht mehr nur aus der Region. Sie würden sogar aus Leipzig, Dresden, Chemnitz und dem Berliner Raum anreisen.
Die beiden ehrenamtlichen Gartenmeister Ulbrich und Kotzan freuen sich über das Interesse und arbeiten deshalb gern an neuen Ideen. Ein Kunstwerk, das die Eiszeit symbolisiert, entsteht gerade. Auch an eine eigene Gärtnerei mit Verkauf ist gedacht. Die ungewöhnliche Stille bleibt trotz der Besucher im Heidedorf, aber es ist ziemlich viel Bewegung nach Nochten gekommen.