Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) will verstärkt auf den Mittelstand setzen.Außerdem müsse damit aufgehört werden, mit öffentlichen Geldern neue Gewerbegebiete „auf Vorrat“ anzulegen, die dann jahrelang nicht ausgelastet seien. „Wir können das nicht mehr tun“ , sagte Junghanns, der in diesem Zusammenhang auf ein geplantes Gewerbegebiet in Wittenberge verwies. „Es ist besser einen Schlussstrich zu ziehen, als mit symbolträchtigen Handlungen Hoffnung zu schüren, an die ohnehin niemand mehr ernsthaft glaubt.“ So finde man auch schneller eine neue Startlinie.
Junghanns sprach von einer „depressiven Stimmung“ in der Brandenburger Wirtschaft. Jedoch wisse jeder Unternehmer, dass vom Staat nicht mehr Geld zu erwarten ist, zumal die Finanzlage der öffentlichen Hand sich nach seinen Worten mittelfristig - selbst bei einem konjunkturellen Aufschwung - nicht verbessern wird. „Wir sind nicht temporär, sondern tendenziell pleite.“ Brandenburgs große Koalition müsse sich in der bevorstehenden Strategiedebatte zur Sanierung des Landeshaushaltes auf die „schlechten Erwartungen einstellen“ . Das knappere Geld müsse effizienter eingesetzt werden, auch im eigenen Ressort, so Junghanns. Er stellte klar, dass dabei die direkten Förderprogramme für die gewerbliche Wirtschaft für ihn Priorität haben, es dafür Abstriche an öffentlich finanzierten Infrastrukturvorhaben geben wird. Junghanns schloss ausdrücklich nicht aus, dass bereits erteilte Förderbescheide widerrufen werden. Im vergangenen Jahr waren nach Angaben von Junghanns aus dem Fördertopf der so genannten Gemeinschaftsaufgabe (GA) zur Förderung der gewerblichen Wirtschaft und der wirtschaftsnahen Infrastruktur zwei Drittel der bewilligten Gesamtsumme von rund 768 Millionen Euro in die Randregionen geflossen. Künftig werde das knappere Geld stärker auf das wettbewerbsfähigere Berliner Umland und auf die Städte in den Randregionen konzentriert werden müssen, deutete Junghanns an.
Der Minister kündigte an, dass die Außenwirtschaftsaktivitäten Brandenburgs gebündelt werden. Er verteidigte zwar die vier vor zwei Jahren gegründeten Auslandsplattformen Brandenburgs gegen Kritik, wollte aber auch keine Bestandsgarantie abgeben. Die internationalen Märkte seien eine Chance für Brandenburg. „Aber wir sollten nicht so tun, als ob wir die Welt erobern.“ Die Suche „querbeet“ sei nicht erfolgreich gewesen.
Zugleich forderte der CDU-Wirtschaftsminister Korrekturen in der Vergabepraxis der Kommunen: Er sei konsequent dagegen, bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen automatisch den billigsten Bieter zu beauftragen - was in der Praxis oft zu Folgeproblemen führe.