„Meine Leute brauchen Medizin“, singt er. Ihnen werde das Blut ausgesaugt.

Das Video zu dem Lied „Masrah Deeb“ (Deebs Bühne) drehte der 27-Jährige nur wenige Tage, bevor im Januar junge Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo eine Revolution gegen das Regime begannen. Nach drei Wochen zwangen sie den Präsidenten Husni Mubarak zum Rücktritt.

In Ägypten Rapper zu sein, hat mit Ruhm und Reichtum wenig zu tun. Hip Hop ist in der arabischen Welt ein junges Genre, für Rapper gibt es kaum Plattenfirmen oder Manager. Vor dem arabischen Frühling konnte Deeb von Auftritten auf großen Bühnen nur träumen, nach der Revolution wurde er von der britischen BBC interviewt und zur Frankfurter Buchmesse eingeladen. Leben kann er von seiner Musik trotzdem nicht, erzählt der Musiker.

Deeb, der eigentlich Mohamed el-Deeb heißt, rappt seit sechs Jahren, 2010 veröffentlichte er seine erste Solo-CD. Die meisten seiner Lieder produziert sein Bruder, die Technik bezahlt Deeb aus eigener Tasche. Seine Lieder stellt er zum kostenlosen Download ins Internet. Die Musik finanziert Deeb mit seiner Arbeit als Finanzanalyst. Vielleicht wirkt er deswegen auf den ersten Blick so wenig wie ein Rapper. Er ist eher ruhig und sehr höflich. Die Selbstinszenierung, die amerikanische Hip-Hop-Stars bis zum Exzess betreiben, scheint ihm fremd.

Unter Mubarak musste Deeb seine Texte zensieren, er sang nie von der Regierung, sondern von „den großen Männern“. Als politisch will er seine Lieder aber nicht verstanden wissen. „Ich rappe über das, worüber die Menschen auf der Straße sprechen. Und wenn sie über Politik reden, dann rappe ich eben über Politik.“

Sechs Jahre seiner Kindheit verbrachte Deeb in Dubai. „Wenn man im Ausland lebt, hält man stärker an seinen Wurzeln fest.“ Vielleicht rappt er deshalb nicht auf Englisch, sondern auf Arabisch. In seinen Liedern benutzt Deeb traditionelle ägyptische Musik, in „Bilady“ fragt er seine Landsleute: „Habt ihr schon mal daran gedacht, Ägypten zu besingen?“ epd/sm Foto: epd