Die Kinowelt dreht sich ein bisschen anders, und Bernhard Reuther weiß das. Nicht nur, weil er seit inzwischen knapp fünf Jahren das Dresdner "Kino im Dach" betreibt. Als Gründer von "Zauberland" - neben der ursprünglich in München ansässigen Leipziger "Kinowelt" der Brüder Michael und Rainer Kölmel Sachsens einziger Filmverleih - kennt der 25-Jährige das Geschäft auch aus einer anderen Perspektive.
Gerade hat Reuther seinen zweiten Film als Verleiher am Start. "Wir" vom Potsdamer Filmhochschul-Absolventen Martin Gypkens ist ein Episodenstreifen über junge Studenten in Berlin, der das Zeug zum Kultfilm hat. Reuther sah ihn schon vor einem Jahr beim Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken - und fand ihn ziemlich klasse. Mit dieser Eigenschaft gilt ein junger, deutschsprachiger Film zwar schon mal grundsätzlich als "Zauberland"-tauglich. Aber zu einem willigen Verleiher müssen sich nun mal auch noch willige Filmproduzenten gesellen.
Eine Chance, den Film über seinen Ein-Mann-Betrieb verleihen zu können, sah Reuther deshalb nicht wirklich. Für eine Nummer zu groß hielt der gebürtige Dresdner das Projekt, gab es doch auch andere interessierte Verleiher. Von denen sei dann aber keiner mehr übrig geblieben, weswegen es Reuther tatsächlich schaffte und sich nun mit Fug und Recht behaupten lässt: Ohne "Zauberland" gäbe es derzeit kein "Wir"-Gefühl auf der Leinwand.
Dies genau beschreibt aus Sicht von Johannes Kling-sporn, Geschäftsführer des Verbandes der Filmverleiher, die Nische, die ein Mann wie Reuther besetze. Für ihn komme es auf "gute Filme und gute Kontakte" an. Und: Im Vergleich zu den Branchenriesen machten kleine Verleihe manchmal das größere Geschäft. Im Jahr 2002 sei etwa ein Drittel der 369 in Deutschland erstmals aufgeführten Spiel- und Dokfilme mit weniger als zehn Kopien in die Kinos gelangt. Dies bestätigt Klingsporn zufolge den derzeit zu beobachtenden Trend "Small is beautiful". Er drücke "Zauberland" jedenfalls beide Daumen.
"Wir" versucht Reuther zufolge mit einem guten Dutzend Kopien auf dem Kinomarkt zu bestehen - zu sehen war der Film unter anderem in Berlin, München, Hamburg, Leipzig, Münster und Lübeck. In den nächsten Tagen werden auch Bremer und Kölner in den Genuss des Streifens kommen, den Kritiker sowohl zerfetzt als auch hochgelobt haben, wie Reuther registriert hat. Das Premierenpublikum Ende Januar in Dresden war hingegen einhelliger Meinung: Es reagierte mit langanhaltendem Applaus.
Bevor es überhaupt klatschen kann, müssen allerdings erst einmal die Kinomacher überzeugt werden - und die lehnen einen Film auch schon mal gnadenlos ab, "manchmal allein deshalb, weil der Film auch in einem bestimmten anderen Kino in der selben Stadt läuft", sagt Bernhard Reuther, der für die Vermietung seiner Filme auf einen erfahrenen Verleih aus Berlin zurückgreifen kann.
Noch weiß Reuther nicht, welchen Film er als nächstes präsentieren wird. Er habe einfach noch keinen aufgespürt, der ihm gefalle: Auf dem Markt sehe es derzeit mager aus. Wahrscheinlich werde "Zauberland" deshalb erst wieder 2005 einen Streifen auf die Leinwand zaubern.
Verleih im Internet: www.zauberlandfilm.de