Die Brille ist ja eigentlich eine Prothese, sagt Enzo Forciniti. "Aber die offensichtlichste." Wenn man die schon mitten im Gesicht tragen muss, warum dann nicht eine schöne? Gern auch eine richtig ausgefallene. In Forcinitis Laden in der Leipziger Sternwartenstraße liegen die ausgefallenen Brillen in Reih und Glied. Eine filigraner und leichter als die andere. Forciniti fertigt sie aus Holzfurnier. Auf der Nase wirken diese Werke besonders, aber nicht schrill. Erst auf den zweiten Blick fällt das ungewöhnliche Material auf.

Vor eineinhalb Jahren machte sich der Italiener mit seinen Holzbrillen selbstständig. Der 33-Jährige wollte nach vielen Jahren als Grafikdesigner "was mit den Händen machen". Und das mit den Brillen, das hat sich so ergeben. Irgendwann suchte er eine schöne, fand keine und begann zu basteln. Als Kind war er fleißiger Modellbauer, klebte Schiffe und Flugzeuge. Diese Skills ließen sich für den Brillenbau ganz einfach reaktivieren. "Eine Brille ist wie eine Grafik", sagt er. Ein gut entworfenes Objekt mit Kanten und Kurven.

In seiner kleinen Werkstatt, gleich hinter dem kleinen Ladengeschäft, schärft Forciniti Kanten und schleift Kurven. Wer bei ihm eine Brille bestellt, kriegt die passend auf die Nase geschneidert. Je nach Kopfform, je nach Tragegewohnheit, leicht und fahrradhelmtauglich. Die ersten Stücke entstanden zu Hause am Küchentisch, als Bastelei neben dem Job als Grafiker. Dann wurde die Küche zu klein und die Zeit zu knapp für die vielen Anfragen.

Da machte sich Forciniti selbstständig. Ein mutiger Schritt, aber für Forciniti irgendwie folgerichtig: "Ich habe schon auf dem Gymnasium Gestaltung gelernt." Später dann an der Uni im mittelitalienischen Pescara. Einer, der sowas mache, sei "letztendlich ein Freak".

Die Brille als Objekt hat einen weiteren Vorteil, sie kostete ihn keine großen Investitionen. Das Werkzeug fand er auf dem Flohmarkt. Pressformen aus Holz hat er selbst gebaut. Den Laden teilt er sich mit einer Goldschmiedin.

Das Ganze ist noch in der Anlaufphase, meint er. Nach eineinhalb Jahren kann er noch nicht sagen, dass es wirklich rund läuft. "Aber durch einen Kunden, den ich habe, kommt immer ein neuer." Optiker, die etwas Besonderes anbieten wollen, haben schon bei ihm angeklingelt, wollen seine Sachen ausstellen.

Holz ist ein dankbares Material, es lässt viel mit sich machen. Enzo Forciniti verklebt die verschiedenen Furnierschichten so, dass an der Seite ein schöner Kontrast entsteht - ein filigranes Gesichtsmöbel, das sich einprägt. Die Herstellung ist sehr aufwendig und dauert. Entsprechend der Preis, eine Forciniti-Brille kostet ab 600 Euro. Zu den Leuten, die sich das gern leisten, gehören Studenten ebenso wie Managerinnen, die das Hingucker-Teil für besondere Anlässe suchen. "Der Trend geht zur Fünftbrille", weiß der Manufakturist.

Ein paar selbst entworfene Modelle hat er als Muster im Laden, die verkauft er aber nicht. Mit jedem Auftrag entwickelt er seine Brille weiter. "Ich denke immer, da geht doch noch was." Dann nimmt er wieder die Feile und macht weiter, an fünf Aufträgen feilt er zurzeit. Zehn Stunden hat der Arbeitstag in der Brillenmanufaktur. Das ruhige Vorsichhin-Werkeln gibt ihm mehr als ein Bürojob.

Hin und wieder trifft Forciniti eine seiner Brillen auf der Straße. Hin und wieder sagt jemand zu ihm: "Du bist doch der mit den Holzbrillen." Dann weiß er, dass er sich richtig entschieden hat - und geht zufrieden in die Werkstatt, um wieder ein Stück weiter zu kommen auf dem Weg zur perfekten Brille. "Ich sehe kein Ende", sagt er.