Das Paket, das unter anderem eine Machtbeschränkung für den neuen Präsidenten und die Exekutivmitglieder vorsieht, erhielt gestern in Zürich die dafür notwendige Drei-Viertel-Mehrheit. Insgesamt stimmten 179 von 207 Verbänden für die Reformen, 22 lehnten diese ab, sechs Verbände gaben kein Votum ab.

Ohne die Umstrukturierungen der Statuten wäre die Amtszeit des neuen Präsidenten schon mit einem schwer zu beseitigenden Makel belegt gewesen. Hätten sich die Fifa-Mitglieder den Reformen verweigert, wäre in der Korruptionsaffäre vor allem der Druck der US-Behörden weiter gestiegen.

"Wir müssen eine Botschaft an die Welt richten, eine Botschaft der Einheit", sagte Fifa-Interimspräsident Issa Hayatou, der den gesperrten und scheidenden Amtsinhaber Joseph Blatter vertrat. Der Kameruner schwor die Landesverbände ein. "Die Fifa beginnt ihre Reise mit dem Ziel, Vertrauen wiederherzustellen."

Mit der Reform will der Weltverband die politische von der ökonomischen Entscheidungsebene trennen. Zudem gilt für den Fifa-Präsidenten und die Mitglieder des neuen Councils, das das umstrittene Exekutivkomitee ablösen soll, eine Beschränkung auf drei Amtszeiten. Sie müssen sich vor Amtsantritt einem externen Integritätscheck unterziehen, ihre Gehälter werden offengelegt.

Die Krise hat bereits erste gravierende Konsequenzen für die Fifa. Die sonst so glänzende finanzielle Situation ist plötzlich prekär. Finanzdirektor Markus Kattner sprach von einem derzeit zu erwartenden Defizit für den Zyklus bis 2018 von 550 Millionen Dollar im Vergleich zu den Prognosen aus dem Jahr 2014. Dies würde die Rücklagen des Fußball-Weltverbandes von rund 1,5 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2014 um rund ein Drittel reduzieren. Das Ergebnis kann aber noch besser oder schlechter ausfallen. Der Druck der juristischen Behörden sei groß. Nur durch die Annahme des Reformpaketes könne neues Vertrauen geschaffen werden, das für den Abschluss notwendiger neuer Sponsorenverträge essenziell sei.

Der deutsche Fifa-Richter Hans-Joachim Eckert hat den Verband nach der Verabschiedung des umfangreichen Reformpakets zu weiteren Neuerungen aufgefordert. "Die Fifa ist mit Sicherheit noch nicht fertig mit den Reformen. Was heute beschlossen wurde, ist okay, es gibt aber noch Verbesserungsbedarf", sagte der Vorsitzende der Spruchkammer der Fifa-Ethikkommission "FAZ.net".