Nach wilden Tiraden gegen die USA und die Uefa hat Fifa-Präsident Joseph Blatter den Verbal-Feldzug gegen seine Widersacher fortgesetzt. Seinen Freund Franz Beckenbauer benutzte er dabei als vermeintlichen Kronzeugen für einen Frontalangriff gegen die Spitze des deutschen Fußballs. "Ich habe mit Franz Beckenbauer telefoniert. Er sagte mir, er jedenfalls habe den deutschen Verbandspräsidenten zusammengefaltet, weil der gegen mich stimmte", sagte Blatter der Schweizer Zeitung "Sonntagsblick". Beckenbauer und der damit massiv angegangene DFB-Chef Wolfgang Niersbach dementierten den kompromittierenden Vorwurf umgehend.

"Ich habe mit Wolfgang Niersbach freundschaftlich diskutiert. Von Zusammenfalten kann überhaupt keine Rede sein", sagte Beckenbauer. Niersbach, seit Freitag Mitglied in dem vom weltweit kritisierten Blatter angeführten Fifa-Exekutivkomitee, ließ über DFB-Mediendirektor Ralf Köttker verlauten: "Keine Ahnung, wie Blatter auf so was kommt, ein Telefonat mit dem Inhalt hat überhaupt nicht stattgefunden."

Mit den obskuren Anschuldigungen aus der Schweiz setzte Blatter am Sonntag sein unsouveränes Gebaren nach der knapper als erwarteten Wiederwahl zum Fifa-Boss fort.

Schon bei der Pressekonferenz am Samstag hatte sich Blatter zu Beginn seiner fünften Amtszeit mehr mit der Verunglimpfung der Konkurrenten aufgehalten. Mit Verschwörungstheorien und drohenden Worten attackierte er die US-Justizbehörden sowie die Europäische Fußball-Union um Michel Platini. "Ich vergebe jedem, aber ich vergesse nicht", sagte Blatter zu den Rücktrittsforderungen von Platini. Vor der Weltpresse legte Blatter einen dünnhäutigen Auftritt hin. Ob er Sorge habe, angesichts des Korruptionssumpfs irgendwann selbst hinter Gitter zu müssen? "Verhaftet, wofür? Nächste Frage", beschied Blatter.

Die nächsten Termine des ifa-Chefs sind noch offen. Er soll zum aber Finale der Frauen-Fußball-WM am 5. Juli in Vancouver dabei sein. Ein pikanter Termin, denn die USA haben mit ihrem nördlichen Nachbarland eine enge Justiz-Kooperation. Eventuell könnte Blatter zu den Vorgängen um seine in Zürich am Mittwoch festgenommenen Ex-Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo befragt werden.

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Am Sonntag gab es Neuigkeiten zum Mega-Skandal um Betrug und Bestechung, die nach Ermittlungen des US-Justizministeriums auch die WM-Vergabe 2010 betraf. Der frühere Chef des Organisationskomitees in Südafrika hat eine Sonderzahlung von zehn Millionen Dollar eingeräumt. Das Geld sei jedoch entgegen einer Anklageschrift der US-Justizbehörden keine Bestechung der Fifa gewesen, sagte Danny Jordaan der Zeitung "Sunday Independent". Jordaan zufolge wurde das Geld 2008 an die Konföderation von Nord- und Mittelamerika Concacaf bezahlt, um den Sport dort zu fördern. Concacaf-Präsident war zu dem Zeitpunkt der damalige Fifa-Vize und Blatter-Vertraute Jack Warner, der diese Woche aufgrund der Bestechungsvorwürfe der US-Justiz zeitweise festgenommen worden war.