Angesichts schwindender Mitgliederzahlen hat der Landesfeuerwehrverband gefordert, verstärkt Quereinsteiger für den Dienst zu gewinnen. Nachwuchsarbeit allein könne das Problem bei den Freiwilligen Feuerwehren zwischen Elbe und Oder nicht lösen. "Erwachsene Quereinsteiger bekommen wir sehr viel schneller ausgebildet als Jugendliche", sagte der Barnimer Chef des Kreisfeuerwehrverbands Rainer Strempel.

Es sei gut, dass das Land die Aufwandsentschädigung für Selbstständige bei einem Einsatz von 16 auf 35 Euro pro Stunde erhöht habe. Dies sei leider aber nur eine Kann-Regelung. "Welche Kommunen zahlt denn dann tatsächlich den neuen Satz?", fragte Strempel.

Sein Amtskollege Uwe Steinbeiß aus Elbe-Elster beklagte, die Feuerwehr werde heutzutage nicht mehr geführt, sondern nur noch verwaltet. Immer nur stünden die Kosten im Vordergrund. "Dabei laufen uns in Südbrandenburg die Leute weg", betonte Steinbeiß, der zugleich als Herzberger Stadtbrandmeister fungiert. Viele zögen den Jobs hinterher, andere wiederum müssten täglich viele Kilometer zur Arbeit pendeln.

"Mit der Tagesbereitschaft ist es oft sehr schwierig", bestätigte Strempel. Zwar hätten sich mit Einführung der Stützpunktfeuerwehren im Jahr 2007 die Voraussetzungen verbessert, um am Tag flächendeckend eine schlagkräftige Truppe zusammenzubekommen. Dennoch werde es zwischen acht und 16 Uhr unter der Woche immer schwieriger, die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. Oftmals würden bei Bränden Nachbarwehren gleich mit alarmiert.

Dies zeigt aus Sicht des Städte- und Gemeindebundes, dass das System überprüft werden muss. "Vielleicht müssen wir weitere Konzentrationen vornehmen", erklärte Geschäftsführer Karl-Ludwig Böttcher. Auch für die Einstellung hauptamtlicher Feuerwehrleute dürfe es kein Denkverbot geben. Schon jetzt würden Städte mit mehr als 30 000 Einwohnern immer öfter bei Bränden an ihrer Peripherie herangezogen. Das liege daran, dass diese Städte über Berufsfeuerwehrleute verfügen. Böttcher bot dem Land an, bei der Weiterentwicklung des Brand- und Katastrophenschutzes mitzuarbeiten und verwies auf ein eigenes Konzept des Städte- und Gemeindebundes.

Es sei kein gutes Zeichen, dass die Position des Landesbranddirektors seit einigen Wochen unbesetzt ist. Der bisherige Amtsinhaber Norbert Zoschke ist mittlerweile im Ruhestand. "Es war lange bekannt, dass Zoschke in Rente geht", sagte Böttcher. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, das Land arbeite an einer Nachbesetzung. Man könne aber noch nicht sagen, wann ein neuer Landesbranddirektor seinen Dienst aufnimmt. Außerdem gebe es zwei Stellvertreter.

Das Ministerium verwies auf die gute Jugendarbeit der Freiwilligen Feuerwehren. Im sechsten Jahr in Folge sei die Zahl der Jugendlichen auf jetzt 12 100 Mitglieder angestiegen - ein ausgesprochen erfreulicher Trend.

Landesweit gibt es aktuell 41 666 Aktive in 200 Wehren. Das sind 1000 weniger als vor einem Jahr. Vor zehn Jahren waren es noch 48 600 Feuerwehrleute.