Beim Radetzky-Marsch und Tschinderassabumm des Musikkorpsherrscht hinter der Absperrung sogar so etwas wieFamilienfeststimmung. Angehörige recken die Köpfe, um ihrenRekruten zu erspähen. Einige der mehr als 1500 Gäste sind ausMecklenburg-Vorpommern oder Nordrhein-Westfalen angereist.Videokameras surren. Schaulustige scherzen, andere plaudern überihre eigenen Armee-Erlebnisse, während sich die 522 Rekruten aufdem Marktplatz bemühen, keine Miene zu verziehen.
Gut eine Stunde lang stehen sie still, vernehmen die Worte ihresKommandeurs, Oberstleutnant Uwe Schulz, der die Bedeutung desöffentlichen Gelöbnisses für die Transparenz der Bundeswehrbetont. Herzbergs Bürgermeister Michael Oecknigk sagt: „DieWehrpflicht ist vernünftig und richtig.“ Und der Chef desLuftwaffenamtes, Generalmajor Servatius Maeßen, hält eineengagierte Rede.

„Freiheit verteidigen“
Es gebe nicht den geringsten Grund, sich zu verstecken, erklärtder Generalmajor. Die Bundeswehr sei kein Selbstzweck, sondernerfülle den Verfassungsauftrag, „unserem Staat treu zu dienen unddas Recht und die Freiheit des Volkes tapfer zu verteidigen“ .
Das Publikum hört aufmerksam zu. Maeßen spricht davon, dass „wirin einer realen Welt leben, die nicht geprägt ist von Frieden,von Achtung füreinander, von Toleranz im Umgang miteinander“ . Erkonstatiert: „Wenn Krieg oder Frieden eine Frage des Verstandswäre, wenn diese Frage rational beantwortet würde, bräuchten wirkeine Soldaten.“ Und er benennt als Ursachen für Krieg und Terror„das Gefälle zwischen Armen und Reichen, das Missverhältnis vonMächtigen und Ohnmächtigen, ethnische Überheblichkeit undreligiösen Fanatismus.“

Frage nach Tätern und Opfern
Die Schuldigen auszumachen, fällt Maeßen dabei zuweilen schwer.„Wer Täter und wer Opfer ist, lässt sich nicht immer eindeutigdefinieren“ , sagt er und fordert eine „Globalisierung derMenschenrechte“ . In diesem Prozess habe auch der Soldat seinenPlatz und seinen Wert.
Beifall, die Nationalhymne erklingt, vier Rekruten gelobenstellvertretend für alle feierlich auf die Fahne, während dieanderen im Chor nachsprechen. Konrad Giese, Vertrauensmann derRekruten, beschwört den Geist der Kameradschaft. Seinen Kameradenruft er zu, bevor er ins Glied zurücktritt: „Wenn euch wieder maletwas wurmt oder ihr euch herumkommandiert fühlt, dann denktimmer daran: Wir sind Soldaten, keine Zivis.“
Zuletzt noch ein dreifach kräftiges „Hipp-hipp, hurra“ der ganzenTruppe, dann löst sich die Parade auf. Ein Mann in der Mengescherzt: „Die hätten besser Helau rufen sollen.“ Umarmungen,Küsschen, Wochenende.