Er wurde auf der Gefängnisinsel Imrali bei Istanbul inhaftiert und dort wenige Monate später verurteilt. Doch die Verhaftung des PKK-Chefs hat der Türkei nicht das erhoffte Langzeit-Resultat gebracht: Der Kurdenkonflikt ist weiter ungelöst. Die Festnahme des Staatsfeindes Nummer Eins war ein politischer Triumph für Ankara. Öcalan rief die PKK in seinem Hochverratsprozess auf Imrali im Frühsommer 1999 auf, den bewaffneten Kampf zu beenden und sich aus der Türkei zurückzuziehen. Er selbst wurde zum Tode verurteilt; die Strafe wurde nach der Abschaffung der Todesstrafe in der Türkei in lebenslange Haft umgewandelt. Seit zehn Jahren sitzt Öcalan als einziger Häftling auf Imrali ein. Lediglich Verwandte und seine Anwälte dürfen ihn besuchen.Politisch unbedeutend ist Öcalan deshalb nicht. Seine Kommentare zu politischen Fragen werden von der PKK und vielen Kurden als Leitlinien betrachtet, auch wenn sie hin und wieder sehr wunderlich anmuten.Die PKK beruft sich nach wie vor auf Öcalan. Die von der Türkei, der EU und der USA als Terrororganisation eingestufte Gruppe steht heute aber vor ganz anderen Problemen als vor zehn Jahren. Der Nordirak, der damals von der PKK als sicherer Rückzugsraum für ihre mehreren Tausend Kämpfer ausgewählt wurde, wird für die Kurdenrebellen immer mehr zu einem unsicheren Pflaster. Politische Reformen in der Türkei im Zuge der EU-Bewerbung des Landes - zu Beginn des Jahres startete Ankara sogar einen kurdischen Fernsehsender - machen es schwer, die Fortsetzung des bewaffneten Kampfes zu rechtfertigen. Dennoch ist es der Türkei bisher nicht gelungen, den Kurdenkonflikt zu lösen.