Festakt im Landtag und Party davor: Sachsen hat am Donnerstag bei strahlend blauem Himmel den Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Während bei der zentralen Feier im Landtag mehrere Redner ans Pult traten, wurde vor dem Parlament bereits für die Party danach aufgebaut. Die Landtagsverwaltung rechnete wie in den Vorjahren mit mehreren Tausend Besuchern.

Am Nachmittag traten die Fußballer des FC Landtages gegen die parlamentarischen Kicker aus NRW an. Parallel präsentierte sich Sachsen auf der zentralen Einheitsfeier in Stuttgart - vor allem als Hort der Kunst.

Im Landtag erinnerten zunächst Parlamentspräsident Matthias Rößler und Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) an die Zeit der Wende in der DDR. Tillich dankte anderen Bundesländern für ihren Beistand. Sachsen sei stolz auf die Aufbauleistung der vergangenen zwei Jahrzehnte. "Gleichzeitig sind wir dankbar für die solidarische Hilfe, die wir bisher aus ganz Deutschland erfahren haben", sagte Tillich. Seinem Empfinden nach spiele die Herkunft "westdeutsch" oder "ostdeutsch" immer weniger eine Rolle. Heute sei die Freiheit so selbstverständlich geworden, dass man kaum noch darüber nachdenke. Es sei aber wichtig, Freiheit und Demokratie immer wieder neu zu erringen und sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Danach ergriff der frühere katholische Bischof Joachim Reinelt das Wort. Er bezeichnete den Tag der Einheit als "Tag des Dankes und der Freude": "Eine 40 Jahre währende Zerrissenheit Deutschlands und eine Leidensgeschichte der Ostdeutschen haben diesem Tag den Weg gebahnt. Bevor am 3. Oktober 1990 die Einheit Deutschlands gefeiert werden konnte, wurde das Volk in der DDR seiner Freiheit beraubt, ideologisch erpresst, mit Lüge und Angst in Schach gehalten und um einen verdienten Wohlstand betrogen." Reinelt würzte seine Ansprache mit vielen persönlichen Erlebnissen. Der ehemalige Bischof des Bistums Dresden-Meißen ging aber auch auf heutige Anforderungen ein. Die Zukunft Sachsens werde stark davon abhängen, ob der Schwung des Anfangs immer wieder neu entfacht werden könne, sagte er.

"Wir müssen unbedingt dafür sorgen, dass jeder gut von seiner Arbeit auch leben kann", betonte Reinelt und forderte Chancengleichheit für alle. "Wir dürfen besonders den Rand der Gesellschaft nicht übersehen. Für uns steht jeder in der Mitte. Auch Wohnungslose, Asylbewerber, Behinderte, Ungeborene haben gleiche Menschenwürde".