Dafür erinnern sich Ältere umso besser an die ausgebildete Charakterdarstellerin - denn Anselm hat TV-Geschichte geschrieben. Als so coole wie attraktive Krankenhausärztin, in die sich ein ewiger Student verliebt, lockte sie 1973 in der ZDF-Vorabendserie "Der Bastian" neben Horst Janson, Lina Carstens und Friedrich von Thun pro Folge bis zu 15 Millionen Fans vor den Bildschirm. Es wurde eine der erfolgreichsten deutschen Serien überhaupt.

Zwischen 1981 und 1988 reüssierte die geborene Hamburgerin, die heute in München lebt, als "Tatort"-Kommissarin Hanne Wiegand. Anselm war damit - nach Nicole Heesters' Kommissarin Buchmüller (1978-80) - erst die zweite Frau, die in der ARD-Krimireihe ermittelte.

In beiden Kultproduktionen verkörperte sie ein Stück des Geistes der jeweiligen Zeit: Spiegelt "Der Bastian" in Ästhetik und Lebensweise die Aufbruchstimmung der frühen 70er, so geriet vor allem ihre zielstrebige Wiegand zum nicht unwichtigen Beitrag weiblicher Emanzipationsbewegungen.

Anselm, die immer wieder langwierige Verträge aufgab, um frei für Neues zu sein, stand bereits mit zwölf Jahren vor der Kamera. Neben ihrem Studium an der Hamburger Hochschule für Musik und darstellende Künste ließ sie sich im Bereich Import-Export ausbilden. Karriere machte sie schnell: Bei Theaterengagements in Bamberg, Regensburg, Bern und Göttingen spielte sie große Rollen wie die Olivia in Shakespeares "Was ihr wollt" und die Polly in Brechts "Dreigroschenoper". Mitte der 60er-Jahre wurden Film und Fernsehen auf die ausdrucksstarke Norddeutsche aufmerksam.

Gelegentlich wirkt Anselm noch heute im Bereich Hörspiel und Synchronisation - neben anderen lieh sie zum Beispiel Julie Christie in "Hamlet" (1996) ihre Stimme.