Ihre klare Stimme kann einen leicht verruchten Unterton annehmen. So kennt man Deutschlands bekanntesten Musical-Export. Die Sängerin, die heute ihren 50. Geburtstag feiert, schlüpft gern in diese Rolle - mehr, sagt sie, sei die Verwandlung zur Show-Lemper nämlich nicht. "Die Femme fatale, die exotische Dame der Nacht bin ich nur auf der Bühne. Das ist mir zu anstrengend, zu destruktiv. Im Privatleben wähle ich sehr bewusst die harmonische Seite", sagt Lemper. Sobald die Show zu Ende ist, ist sie Mutter und Ehefrau. Die vier Kinder - ihr jüngster Sohn kam 2011 auf die Welt - halten sie gut auf Trab. Nebenher produziert sie CDs, geht auf Tournee und probiert sich immer wieder neu aus. "Ich liebe die Vielfalt."

Die Tochter eines Bankkaufmanns wurde 1963 in Münster geboren. Schon als Kind sang sie gern, tanzte viel Ballett und war als Teenager Frontfrau der Punkgruppe Panama Drive Band. Der Erfolg kam früh und schnell. Als 20-Jährige wurde sie für die Wiener Inszenierung von "Cats" entdeckt, es folgten Musicals wie "Peter Pan" und "Starlight Express".

Der große Durchbruch kam 1987 im Pariser Mogador-Theater mit ihrer Darstellung der Sally Bowles in "Cabaret". Sie erhielt den französischen Theaterpreis "Molière" und wurde als "Entdeckung des Jahres" gefeiert. Paris lag ihr zu Füßen. Die Medien überschlugen sich. Sie wagte Soloprojekte wie ihre erste Platte mit Liedern von Kurt Weill, ein Erfolg.

In Deutschland war man anfangs noch stolz auf den bekanntesten Musical-Export. "Die Lemper" war plötzlich überall. Doch ausgerechnet in der Heimat kippte die Stimmung ziemlich schnell. Die Presse wurde harsch, oft verletzend, die Kritiken zum Teil vernichtend. Ein Tiefpunkt waren 1992 die Stimmen zu ihrer Darstellung der Lola in einer Berliner Inszenierung von Peter Zadeks "Der Blaue Engel".

Sie kehrte Deutschland den Rücken, zog um die Welt, lebte in London und New York - und feierte international Erfolge. Das stressige Musical-Leben gab sie schließlich auf, aus New York will sie aber nicht mehr weg.