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Fehlende Angebote für die Betreuung von Flüchtlingen

Der Psychologieprofessor Frank Jacobi.
Der Psychologieprofessor Frank Jacobi. FOTO: Psychologische Hochschule Berlin
Herzberg. Eine Friseurin wird von ihrem syrischen Angestellten in Herzberg attackiert und schwer verletzt. Was Auslöser für den Angriff war, ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft noch unklar. Jan Selmons

Ebenso die Ursachen solcher Gewaltübergriffe. Die RUNDSCHAU hat sich mit einem Psychologen über das Thema unterhalten.

"Wir haben ein größeres Problem mit fehlenden Angeboten für psychische Betreuung von Flüchtlingen", sagt Professor Frank Jacobi (50) von der Psychologischen Hochschule Berlin der RUNDSCHAU. Über Ursachen solcher Gewaltübergriffe könne man nur spekulieren: Dennoch kennt er "einen Schlüssel", um solchen derart tragischen Fällen vorzubeugen: "Der Erfolg von sozialer Integration ist bei unseren Projekten messbar." Der Professor für klinische Psychologie und Psychotherapie (Verhaltenstherapie) kann sich ganz unterschiedliche Gründe für solche drastischen Reaktionen bei Flüchtlingen vorstellen. Es seien ja "Menschen wie wir", stellt er klar. Und jeder Mensch reagiere am ehesten gewalttätig, wenn er sich in die Enge getrieben fühle.

Zudem könne es möglich sein, dass die Person in einem Umfeld groß geworden ist, die von schwerer Gewalt geprägt ist, "wo man sich eben derartig verteidigen müsse", so Jacobi. Der Professor sagt aber auch, dass solche Übergriffe aus einem normalen kriminellen Hintergrund passieren können. Das sei allerdings laut Jacobi von der Häufigkeit ähnlich selten oder so häufig wie bei Einheimischen. "Ohne genaue Kenntnis des Falles kann man da letztlich keine konkrete Aussage treffen", so der Psychologieprofessor, mahnt aber im Umgang mit den vermeintlich Fremden: "Die Menschen sind im Grunde ja nicht anders als wir."

Ähnlich mahnend äußerte sich Dr. med. Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, anlässlich des Hauptstadtsymposiums der Fachgesellschaft am 18. März in Berlin laut Deutschem Ärzteblatt. "Trotz gut evaluierter Behandlungsmöglichkeiten werden Menschen mit Traumafolgestörungen in Deutschland nicht ausreichend versorgt", so ihr Fazit. Ganz wesentlich sei die Psychotherapie für die Behandlung Posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS), von der rund zwei Prozent oder 1,5 Millionen Erwachsene innerhalb eines Jahres betroffen seien. "Das Problem hier sind die langen Wartezeiten bei Psychotherapeuten."