Der Regionalexpress 2 ist für die Odeg die Vorzeigelinie. Die Privatbahn hat für die lukrative Strecke zwischen Cottbus, Berlin und Wismar die Ausschreibung gegen den Platzhirsch Deutsche Bahn (DB) gewonnen. Seit Dezember 2012 befördert die Odeg ihre Kunden im Stundentakt aus der Lausitz bis tief nach Mecklenburg-Vorpommern.

Dem Erfolg im Wettbewerb gegen die DB ist im zurückliegenden Dreivierteljahr allerdings vor allem Ernüchterung bei der Privatbahn gefolgt. Bis hin zu dem jetzt öffentlich gewordenen Vorwurf, dass die Odeg aufgrund von Personalengpässen ohne Zugbegleitpersonal im RE 2 verkehrt. Nach RUNDSCHAU-Infomationen sollen befristete Verträge, die nicht rechtzeitig verlängern worden seien, dazu ebenso beigetragen haben wie mehrere Kündigungen von Zugbegleitern. Hintergrund dafür soll vor allem Überlastung sein. Die psychische Belastung, über zehn bis zwölf Stunden allein für einen Zug verantwortlich zu sein, übersteige nach Auskunft eines RUNDSCHAU-Informanten die Kräfte der Mitarbeiter. Dass inzwischen Züge ohne Begleitpersonal unterwegs gewesen sein, hänge damit zusammen, dass die Personalnot in diesem Bereich nicht mehr aufzufangen sei.

Der Sprecher der Odeg-Geschäftsführung Arnulf Schuchmann bestätigt, dass Odeg-Züge ohne Begleitpersonal auf die Strecke gegangen seien. Allerdings spricht er von Ausnahmesituationen. Wenn beim Start in Cottbus der Zugbegleiter ausgefallen sei, habe die Odeg versucht, den Missstand in Königs Wusterhausen zu beheben. "Für uns gibt es die erste Priorität, dass der Zug fahren muss und unsere Fahrgäste befördert werden", erläutert Schuchmann der RUNDSCHAU. Zudem hat die Odeg nach seinen Angaben in jüngster Zeit 35 befristete Verträge in unbefristete umgewandelt. "Wenn die Leistung nicht gestimmt hat, haben wir Verträge aber auch nicht verlängert", betont der Odeg-Sprecher.

Das Potsdamer Infrastruktur-Ministerium und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg verweisen übereinstimmend darauf, dass mit der Odeg eine 100-prozentige Begleitquote vertraglich fixiert wurde. "Züge ohne Zugbegleiter, das ist nicht zulässig", reagiert Lothar Wiegand, der zuständige Pressesprecher von Minister Jörg Vogelsänger (SPD) die neuerliche Kritik an der Odeg. Hier gehe es nicht nur um die Fahrscheinkontrolle, sondern auch um "subjektive Sicherheit".

Für VBB-Sprecherin Elke Krokowski sei es gerade eine "Errungenschaft des Wettbewerbsverfahrens gewesen, dass die Odeg in jedem Zug ein Begleiter zugesichert hat". Diese Vereinbarung sei für den VBB auch weiterhin "unverzichtbar". Elke Krokowski räumt ein, dass bei einem kurzfristigen Ausfall von Personal auch Ersatzpläne nicht greifen können. "Das kann passieren", sagt die VBB-Sprecherin. "Kommt das allerdings länger vor, dann ist das eine Vertragsverletzung."

In diesem Fall müsse die Odeg mit Abzügen rechnen, betont der Potsdamer Ministeriumssprecher. Weil vom Land bestellte und vertraglich vereinbarte Leistungen nicht erbracht würden. Dass sich die Odeg mit der "Fernstrecke" bis nach Wismar überhoben haben könnte, will Wiegand nicht unterstreichen. Er lenkt den Blick auf die in Dauerkritik stehende Berliner S-Bahn oder die jüngst bei der DB in Mainz fehlenden Stellwerksbediensteten, was den Bahnverkehr in dieser Region zum Teil zum Erliegen gebracht hat.

Dass der RE 2 für die Odeg eine Nummer zu groß sein könnte, weist auch Arnulf Schuchmann zurück. "Mit Rahmenbedingungen werden wir immer kämpfen müssen", sagt der Odeg-Sprecher. Wenn etwas unterschätzt worden sei, dann habe man stets Lösungen gefunden. Für Schuchmann und die Odeg heißt das zugleich: "Wir trauen uns auch andere Fernstrecken neben dem RE 2 zu."

Zum Thema:
Auf 15 Linien ist die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (Odeg) zurzeit unterwegs. Seit ihrer Gründung im Jahre 2002 befördert sie jährlich zwölf Millionen Fahrgäste in den Ländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Auf einer Streckenlänge von 1450 Kilometern werden von den 64 Odeg-Fahrzeugen in diesem Jahr rund 14 Millionen Zug-Kilometer zurückgelegt.