So gerät der Parteitag zu einer zerfaserten, unentschlossenen Veranstaltung ohne rechten Sinn. Immerhin, die Basis verzichtet darauf, gegen Parteichef Philipp Rösler wegen der anhaltend schlechten Umfragewerte Dampf abzulassen.

Der erst im Mai gewählte neue Vorsitzende erwischt bei seiner Grundsatzrede nicht seinen besten Tag. Nach drei Minuten schon ist der Beifall vorbei; rhythmisches Klatschen, sonst ein Muss bei jeder Partei, wenn ein Vorsitzender gesprochen hat, will sich partout nicht einstellen. Die Delegierten streben nach seinem 45-Minuten-Vortrag schnell zum Mittagsbuffet, und einer sagt in der Warteschlange: „Das war von vorne bis hinten vermurkst angelegt.“ Wohlmeinendere finden, immerhin sei die Rede ja leise und nachdenklich gewesen, und das habe man ja schließlich nach dem lauten Vorgänger Guido Westerwelle auch so gewollt.

Rösler ist eigentlich ein Meister der feinen Ironie und Selbstironie. Keine Spur davon in Frankfurt, dafür eine Eröffnung, die ehrlich wirken soll, aber niemanden im Saal aufbaut. Häme und Schadenfreude sei nach den Wahlniederlagen in den Ländern über die FDP ausgegossen worden, sagt Rösler. Darunter habe er persönlich sehr gelitten. „Schluss mit Trauer und Tränen“ ruft Rösler aus. „Es ist Zeit, die Taschentücher wegzustecken.“

Aber niemand hat geweint. Eher geht es um die Fäuste in den Taschen über die schlechten Wahlergebnisse. „Es kann nicht so weiter gehen“, setzt Rösler in entwaffnender Offenheit fort. Nur wie die Liberalen wieder in die Offensive kommen, sagt er nicht. Oder weiß er nicht.

Eine intensive Debatte um die Bildungspolitik gibt es am Sonntag und dort die einzige echte Kampfabstimmung. Nämlich über die Frage, ob der Bund den Ländern bei der Bildungsfinanzierung helfen darf. Eine knappe Mehrheit ist jedoch gegen eine entsprechende Änderung des Grundgesetzes und bereitet dem Vorstand, der anderes wollte, damit eine Niederlage.

Richtig leidenschaftlich fällt hingegen der Euro-Teil der Diskussion aus, denn das Ringen um den Mitgliederentscheid strebt langsam seinem Höhepunkt entgegen. Am Sonnabend erscheint parallel zum Parteitag ein Aufruf der vier Alt-Vorsitzenden Walter Scheel, Hans-Dietrich Genscher, Klaus Kinkel und Guido Westerwelle: „Es gibt keine gute Zukunft für unser Land ohne die europäische Einigung.“

Auf dem Parteitag tritt die ganze Phalanx der alten und neuen Führungselite gegen die Euro-Kritiker um den Abgeordneten Frank Schäffler auf. Am leidenschaftlichsten redet Guido Westerwelle. So zornig und bewegend fällt der Auftritt des Außenministers aus, dass die Delegierten doch noch die Gele genheit finden, begeistert und rhythmisch zu klatschen.