Voraussetzung dafür sei eine umfassende Staatsmodernisierung, sagte der Landesvorsitzende Holger Zastrow. Die FDP stelle alles infrage, was sich in den vergangenen Jahren eingeschliffen habe. Angesichts der notwenigen Einsparungen von 1,7 Milliarden Euro im kommenden sächsischen Doppelhaushalt gebe es nichts mehr zu verteilen. So solle Sachsen über den Ausstieg aus der Tarifgemeinschaft der Länder für den öffentlichen Dienst nachdenken, forderte Zastrow. Gemeinsam mit den Kommunen könnte ein sächsischer Sonderweg bei der Bezahlung entwickelt werden. Weiter fordert die FDP die Streichung von staatlichen Aufgaben, die Absenkung von Standards, beispielsweise im Straßenbau und bei der Gebäudeausstattung, und einen Kurswechsel in der Förderpolitik. Junge Lehrer und Polizisten sollen bessere Berufschancen erhalten und die Kinderbetreuung flexibler gestaltet werden. Mittelfristig sollten zehn Prozent aller Kindertagesstätten Öffnungszeiten über 18 Uhr hinaus anbieten. Ein Stipendien- und Darlehenssystem solle dafür sorgen, "dass Talent und nicht der Geldbeutel über die Aufnahme eines Studiums entscheidet", wie es im Leitantrag heißt. Zastrow bezeichnete die FDP als "Agendasetter" der Koalition in Sachen Staatsreform. Seine Patei sei eine Gefahr für alle Besitzstandswahrer, Umverteiler und Verharrer. Das Angebot an die Wirtschaft laute "Freiheit statt Geld". Statt Subventionen und Fördermitteln in bisheriger Größenordnung solle es mehr unternehmerische Freiheit und weniger Bürokratie geben. Das bedeute beispielsweise keine Fahrverbote in Umweltzonen, schnelle Entscheidungen bei Investorenanfragen oder Ladenöffnung an allen Adventssonntagen. Eine Verschlankung des Landtags hingegen sei kein vordergründiges Thema der Staatsreform, erwiderte Zastrow auf einen entsprechenden Antrag aus dem Kreisverband Leipzig. Der Chemnitzer Landesparteitag war der erste, seit die FDP in Sachsen und im Bund mitregiert. Die Bilanz von bisher 180 Tagen Koalition mit der CDU in Sachsen bezeichnete Zastrow als "ganz gut". Jedoch werde die FDP zu wenig wahrgenommen. Den Medien warf er Kampagnenjournalismus beispielsweise im Zusammenhang mit der Kritik an der Besetzung eines zweiten Staatssekretärpostens im Wirtschaftsministerium vor. Als Gast aus Berlin nahm FDP-Generalsekretär Christian Lindner am Landesparteitag teil. In Bezug auf schlechte Umfragewerte der Liberalen generell räumte er ein, dass manche Menschen von der Partei enttäuscht seien. "Wir haben nicht so schnell Ergebnisse erreicht, wie wir uns das vorgenommen hatten", sagte er. Vor allem mit konsequenter Verfolgung der Steuersenkungsziele wolle man wieder Vertrauen gewinnen. Der Fahrplan sei immer gewesen, dass die Bürger ab 2012 mehr Geld in der Tasche haben. Darüber hinaus solle mit den Koalitionspartnern bereits für 2011 eine Vereinfachung der Steuererklärung erreicht werden. Dabei sollten die Bürger ein vom Finanzamt vorgefertigtes Dokument ausfüllen. Als neuen Landesschatzmeister wählten die rund 190 Delegierten den Dresdner Juristen Carsten Biesok. Er tritt die Nachfolge von Sven Morlok an, der nicht mehr kandidierte.