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Sachsens Union, deren Chef Tillich ist, erreichte bei der Bundestagswahl am 22. September 46,5 Prozent der Erststimmen und ließ damit anderen Parteien ohnehin wenig Platz - nur dass linker Hand eben doch ein paar sitzen. Dort teilen sich Linke, SPD und Grüne den begrenzten Raum. Der sich bislang auch nicht durch angedachte rot-rot-grüne Gemeinschaftsprojekte vergrößert hat.

Auf der rechten Seite indes wäre noch ein Plätzchen zu vergeben. Dorthinein versucht sich nun die Euro-Kritiker-Partei Alternative für Deutschland (AfD) zu pflanzen, deren Landeschefin die Unternehmerin Petry ist. Die AfD brachte es zu 6,8 Prozent der Zweitstimmen im Freistaat. Obwohl Sachsens Union seit dem Wahlabend aus dem Feiern nicht mehr rauskommt, muss sie doch langsam auf das Plätzchen zur Rechten achtgeben. Da möchte man kaum eine dahergelaufene Truppe sitzen haben, die ihr knappes Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde auf möglichen Wahlbetrug schiebt und mit unschönen Wörtern wie "Entartung" um sich wirft. Frau Petry müsse sich schon von solchen Äußerungen distanzieren, forderte Sachsens Regierungschef. Und bekam zur Strafe von der AfD-Chefin eine Vorlesung über die Verwendung des Begriffs Entartung in Politik und Kulturgeschichte. "Ein sächsischer Ministerpräsident sollte nicht vergessen, dass er kein König ist", schrieb die 38-jährige Unternehmerin, Politikerin und Mutter von vier Kindern in einer Pressemitteilung. "Nicht Stanislaw Tillich entscheidet, welche Parteien Deutschland braucht."

Abseits dieser aufschlussreichen Debatte hob auch noch die FDP, die viele ja schon vergessen haben, das Ärmchen. Deren Chef Holger Zastrow freute sich über Zuwachs. 19 Aufnahmeanträge gingen in der Woche nach der Wahl bei Sachsens Liberalen ein. Während nur sieben Leute von Bord gingen. Ein ordentlicher positiver Wanderungssaldo.