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| 01:07 Uhr

FCE-Sponsoren fordern mehr Leistung für ihr Geld

Die Unruhe unter den 135 Sponsoren des FC Energie Cottbus ist groß. Das ist verständlich angesichts des Schuldenbergs beim Tabellen-Dreizehnten der zweiten Fußball-Bundesliga und der akuten Abstiegsgefahr. Von Wolfgang Swat

In den kommenden Tagen soll es nach RUNDSCHAU-Recherchen ein weiteres Gespräch von Großsponsoren wie Vattenfall, Envia, Kraft Jacobs oder Sparkasse Spree-Neiße mit dem FCE-Präsidium über ein Sanierungskonzept der Vereinsspitze geben.

Sanierungskonzept verlangt
Der Sprecher des Energie-Konzerns Vattenfall, Peter Fromm, erklärt dazu: „Wir erwarten, dass unser Geld für den Verein sinnvoll verwendet und so angelegt wird, dass Energie als Imageträger der Region langfristig erhalten bleibt.“ Der Verein müsse endlich ein Sanierungskonzept vorlegen, das in sich stimmig sei. Dann werde Vattenfall im Rahmen des be-
stehenden Vertrages bei der Überwindung der schwierigen Situation helfen, so Fromm.
Das in Cottbus ansässige Großunternehmen stellt Energie jährlich eine hohe sechsstellige Summe zur Verfügung.

„Kein Vertrauen mehr“
Den Rücktritt von Manager Klaus Stabach und Präsident Dieter Krein fordert Harry Patzig , Vorstand des Cottbuser Finanzvermittlungsunternehmens AFA AG. Leider sei nach der Entlassung von Trainer Eduard Geyer die personelle Erneuerung nicht konsequent fortgesetzt worden, kritisiert Patzig. „Es ist kein Vertrauen mehr vorhanden. Bei allen Erfolgen der Vergangenheit ist jetzt ein Führungswechsel notwendig“ , erklärt er. Das Management habe vor Weihnachten um finanzielle Unterstützung gebeten. „Wir wären bereit, zu helfen, doch ohne Bürgschaft geht das nicht. Und die haben wir nicht bekommen“ , so Patzig. Völlig überrascht vom unrühmlichen Abgang der Stürmerhoffnung Michael Thurk von Cottbus zu seinem Ex-Verein Mainz 05 zeigt sich Olaf Wernecke vom gleichnamigen Autohaus in Cottbus. „Der hat ja von uns erst ein Auto bekommen“ , wundert er sich. Trotz der angespannten Lage halte er weiter zum Verein. „Wir haben einen Vertrag und den erfüllen wir auch“ , macht Wernecke deutlich. Die Gehaltskürzungen für die Profis unterstützt der Autohaus-Chef: „Wer nur 70 Prozent Leistung bringt, kann auch nur 70 Prozent Lohn erhalten.“
Wernecke hält nichts von der gegenwärtigen Personaldiskussion um Manager und Präsident. „Den Trainer hat man entlassen und muss ihn jetzt noch zwei Jahre bezahlen. Wenn Dieter Krein geht, muss man in der Lausitz erst einen Mann finden, der Präsident werden will und das auch machen kann.“ Zu möglichen Managementfehlern will sich Wernecke nicht äußern: „Ich kenne keine Bücher, weiß nicht, was in den Bilanzen steht, welche Gehälter und Provisionen gezahlt werden“ , begründet er die Zurückhaltung.

Solide wirtschaften
Die legt auch Hubert Wilk an den Tag, der über sein Cottbuser Autohaus dem Verein ein Fahrzeug zu Verfügung stellt. „Die Situation ist unangenehm. Ich bin kein Klugscheißer, der ohne Detailkenntnisse urteilt.“
Distanziert in der gegenwärtigen schwierigen sportlichen und finanziellen Situation äußert sich das Unternehmen Kraft Foods, das in Cottbus mit der Kaffeemarke „Jakobs“ präsent ist. Sprecherin Anja Beckmann sagt, der Vertrag werde in vollem Umfang erfüllt. Gespräche zu einem Engagement über die Saison hinaus laufen und würden deshalb nicht kommentiert. Personelle Veränderungen im Management und Präsidium müssten innerhalb des Vereins geklärt werden.
Spreegas-Geschäftsführerin Anke Tuschek beteiligt sich ebenfalls nicht an einer Personaldiskussion. „Wir halten zur Mannschaft, hoffen auf bessere Leistungen und erfüllen unsere Verträge“ , sagt sie. Wie in einem Unternehmen erwarte sie natürlich auch von einem Fußballklub, dass solide und fair gewirtschaftet werde. „Es wäre sehr schade, wenn zu den vielen Pleiten in Brandenburg nun auch noch eine bei Energie hinzukommen würde“ , so die Spreegas-Chefin weiter.
„Fußball hat Cottbus bekannt gemacht. Deshalb müssen wir zum Verein stehen“ , erklärt der Geschäftsführer der Cottbuser Kommunikationsfirma Fleischhauer, Wolfgang Noack . „Wir haben einen Vertrag und an den halten wir uns. Wir können uns ja nicht zurückziehen, wenn es mal schlecht läuft“ , begründet das langjährige Mitglied des Energieklubs 90, der sich besonders für die Nachwuchsförderung in Cottbus engagiert, sein Festhalten am FCE. Allerdings hält Noack eine personelle Erneuerung der Vereinsspitze für notwendig. „Wir brauchen jemanden, der Geld hat und darüber entscheiden kann“ , sieht er einen Ausweg aus der angespannten Finanzsituation.

Anregungen gegeben
Mit einem sechsstelligen Betrag unterstützt die Landskron-Brauerei Görlitz den Lausitzer Fußball-Verein. „In die sportlichen Belange des FC Energie mischen wir uns nicht ein. Das muss man streng trennen. Es gibt eine Vereinsführung. Die ist verantwortlich für das, was passiert“ , stellt Marketing-Leiterin Annett Gernhardt klar und ergänzt: „Wir haben zu den Verantwortlichen ein freundschaftliches Verhältnis und geben ihnen natürlich auch Anregungen, wie die Lage zu verbessern ist.“