Der Präsident von Energie Cottbus, Ulrich Lepsch, wirft Brandenburgs Verfassungsschutz-Chefin Winfriede Schreiber vor, ihre eigenen Berichte nicht zu lesen. Hintergrund ist der Vorwurf von Schreiber, der Verein gehe nicht konsequent genug gegen Fans aus der rechtsextremen Szene vor.

In einem Interview mit Radio Cottbus beteuerte Lepsch, der Verein gehe schon seit Jahren rigoros gegen Rechtsextremismus vor. Was die Leiterin des Verfassungsschutzes in der Öffentlichkeit sage, sei "hanebüchen". Sie lese ihre eigenen Berichte nicht und werfe " alles durcheinander". Lepsch weiter: "Hier versucht man von Missständen im Verfassungsschutz abzulenken und diese auf den Verein zu übertragen."

Der RUNDSCHAU und dem Rundfunksender rbb warf Lepsch eine Kampagne vor. Die RUNDSCHAU hatte im Sommer 2012 Beziehungen zwischen der Cottbuser Fangruppierung "Inferno 99" und rechtsextremistischen Bestrebungen in der Lausitz aufgedeckt. Etwa ein halbes Jahr später, Anfang Januar, wurde bekannt, dass der FCE mehrere befristete Stadionverbote erteilt hatte. Eine klare Distanzierung der Vereinsspitze von "Inferno 99" blieb jedoch aus.

Das Innenministerium, dem der Verfassungsschutz als Behörde untergeordnet ist, reagierte am gestrigen Mittwoch gelassen auf die Vorwürfe. Sprecher Ingo Decker erklärte im Gespräch mit der RUNDSCHAU, man habe das Interview mit FCE-Präsident Lepsch mit einiger Verwunderung zur Kenntnis genommen. "Ein offensiver und professioneller Umgang mit dieser Thematik sieht sicherlich anders aus", sagte Decker. "Stattdessen gewinnt man den Eindruck, als solle der Überbringer der schlechten Nachricht für diese selbst verantwortlich gemacht werden."

Decker betonte, es gebe seit Jahren ein ernstzunehmendes Problem mit einem überschaubaren Teil der Fanszene. Dass der Verein vor Kurzem Stadionverbote ausgesprochen habe, sei zu begrüßen. Dieser Weg müsse aber entschlossen weitergegangen werden. "Eine verbale Zuflucht zu Medien- oder Behördenschelte wird demgegenüber weder das Problem lösen noch dem Ansehen des FC Energie dienen."

In der vergangenen Woche beschäftigte sich auch die Landesregierung mit dem Thema. Der SPD-Abgeordnete Klaus Ness hatte angefragt, ob der Regierung Erkenntnisse zu "Inferno 99" vorliegen. In der Antwort des Innenministeriums ist die Rede von 50 Rechtsextremisten, "die das Auftreten der Ultragruppierung maßgeblich bestimmen". Der Kern von "Inferno 99" bestehe aus 25 bis 30 gewaltbereiten Fans. Eine Führungsperson sei treibende Kraft im neonazistischen Netzwerk "Widerstand Südbrandenburg", das im Juni 2012 verboten wurde. Angemahnt wird vom Innenministerium "eine auf lange Sicht angelegte Strategie". Dafür trage das Vereinspräsidium "eine besondere Verantwortung".