Am vergangenen Mittwoch ist das Urteil des Amtsgerichtes Cottbus gegen André Waiß und einen Cottbuser Polizeibeamten rechtskräftig geworden. Mit vierzehn Monaten auf Bewährung ist der langjährige Sicherheitschef des FC Energie Cottbus nun wegen Bestechung eines Polizisten und Anstiftung zum Geheimnisverrat vorbestraft. Die Vereinsspitze des Lausitzer Proficlubs hält trotzdem an ihm fest.

Beim Deutschen Fußballbund (DFB) in Frankfurt/Main ist derweil eine dazu abgeforderte Stellungnahme des FC Energie eingegangen. "Die wird jetzt von uns geprüft", so ein DFB-Sprecher. Auch das Gewerbeamt der Stadt Cottbus will nun die Akten des Strafverfahrens anfordern, um zu prüfen, ob die gewerberechtliche Zuverlässigkeit und Eignung von André Waiß als Chef eines Wachschutzunternehmens noch gegeben ist.

Keinen Prüfbedarf hat dagegen der Chef der Polizeidirektion Cottbus, Sven Bogacz: "Mit jemandem, der einen solchen Imageschaden für die Polizei verursacht hat, setzten wir uns nicht an einen Tisch." Für die notwendigen regelmäßigen Sicherheitsgespräche zwischen Verein und Polizei werde, so Bogacz, FCE-Geschäftsführer Normen Kothe statt André Waiß teilnehmen. Das sei vor wenigen Tagen so vereinbart worden.

Pikant an der Vertretung : In einem der vor dem Amtsgericht verhandelten Fälle sollen von dem korrupten Polizisten illegal beschaffte Informationen durch Waiß direkt an Geschäftsführer Kothe weitergegeben worden sein. Kothe bestreitet das: "Wir wussten nicht, woher er die im Gerichtsprozess aufgeführten Informationen seinerzeit hatte."

Belastet wird der Verein auch dadurch, dass offenbar weiter Rechtsradikale in der Fanszene eine Rolle spielen und es ihnen auch gelingt, den Verein zu täuschen. Beim Heimspiel gegen Halle am letzten Sonntag im Juli wurde im Cottbuser Stadion ein Band mit dem Spruch "Alte Kraft soll neu entstehen" auf der Nordwand entrollt.

Das Band sei kurzfristiger als üblich zur Genehmigung beim Verein angemeldet worden mit dem Hinweis, der Spruch beziehe sich auf das Jubiläumsjahr des Vereins, so Lars Töffling, Sprecher des FCE. Erst durch Hinweise sei nach dem Spiel bekannt geworden, dass der Spruch auch der Titel eines Albums der Neonaziband "Hassgesang" sei.

"Mit der Person, die das Spruchband angemeldet hat, haben wir einen Gesprächstermin vereinbart", so Töffling. Zu welcher Fangruppierung der Anmelder gehört, wollte er nicht sagen. Genehmigt hatte der Verein bei diesem Spiel auch das Spruchband "Ruhm & Ehre der BSG". Dass das auffallend an den Neonazispruch "Ruhm und Ehre der Waffen-SS" erinnert, hatte offenbar nicht gestört.

Etwas mehr Klarheit gibt es inzwischen auch zu der Randale von FCE-Fans Anfang August in Bremen. Der Vorwurf, aus der Gruppe heraus sei ein Koran-Stand in einer Fußgängerpassage aktiv angegriffen worden, ist nach Auskunft der Bremer Staatsanwaltschaft weitgehend vom Tisch. Cottbuser hatten sich an dem Stand offenbar nur mit Wurfmaterial für eine Auseinandersetzung mit Bremer Hooligans eingedeckt.

Ermittelt wird jedoch weiterhin gegen 43 Cottbuser wegen "Sieg Heil"- und "Ausländer raus"-Rufen nach ihrer Ankunft am Bahnhof der Hansestadt. Nach Auskunft des Behördensprechers liefen dazu noch Abgleichungen von Personaldaten in Zusammenarbeit mit der Cottbuser Polizei.