13 Prozent der Menschen sind hierzulande „armutsgefährdet“ , das ist in der gegenwärtigen EU-Rangliste Platz fünf gleichauf mit Österreich. Nur die skandinavischen Länder und Luxemburg (alle elf Prozent) sind besser. Schlusslichter sind mit 21 Prozent Armutsrisiko Portugal, Irland und die Slowakei. Allerdings liegen die Zahlen von elf EU-Staaten noch gar nicht vor und es gibt offenkundig große regionale und soziale Unterschiede in Deutschland, die aber nur ganz grob in Ost- und Westdeutschland aufgeschlüsselt werden.
Als armutsgefährdet stuften die Statistiker Menschen ein, die weniger als 60 Prozent eines für Deutschland errechneten Durchschnittseinkommens von 1427 Euro im Monat haben. Dieser Wert gilt für einen alleinlebenden Erwachsenen. Mit 856 Euro fällt er somit in die Kategorie der Gefährdeten, zu der dann auch richtig Arme zählen, die noch weniger haben. Für den zweiten Erwachsenen im Haushalt wird die Hälfte hinzugerechnet, für jedes Kind ein Drittel, so dass zum Beispiel eine Familie mit zwei Kindern bei unter 1798 Euro als armutsgefährdet gilt. In absoluten Zahlen fallen 10,6 Millionen Deutsche in diese Kategorie, darunter 1,7 Millionen Kinder.

Werte in Ostdeutschland schlechter
Deutlich über dem Durchschnittswert von 13 Prozent liegen die Ostdeutschen mit 17 Prozent (West zwölf Prozent). Bei allen Altersgruppen sind die Werte im Osten deutlich schlechter als die Westwerte. Nur bei den Menschen über 65 Jahren ist es anders herum. 16 Prozent dieser Altersgruppe in den alten Bundesländern fallen unter das Armutskriterium, während es im Osten nur elf Prozent sind. Dies sagt allerdings nichts über die durchschnittlichen Einkünfte auch bei den Älteren in Ostdeutschland aus und berücksichtigt auch nicht, dass im Westen ungleich mehr Menschen gerade im Alter in den eigenen vier Wänden leben und deswegen auch in aller Regel geringere Wohnkosten zu tragen haben. Es macht nur erneut deutlich, dass die Zahl der Menschen, die mit einer äußerst geringen Rente allein leben müssen, im Westen derzeit noch wesentlich größer ist.

Kaum Risiko für Erwachsene ohne Kind
Die Statistik weist auch klar aus, welches Risiko zur Armut führt. Allein Erziehende sind es deutschlandweit zu 30 Prozent, Personen ohne Schulabschluss oder Berufsausbildung zu 24 Prozent. Ohne staatliche Unterstützung würden sogar 56 Prozent der allein Erziehenden nicht ausreichend Geld für ihren Lebensunterhalt zur Verfügung haben. Diejenigen, die unterhalb der Armutsschwelle leben, können sich erheblich weniger leisten. 56 Prozent von ihnen machen nicht einmal eine einwöchige Urlaubsreise pro Jahr. Ein Job schützt zumindest im Osten nicht unbedingt vor Armut. Dort leben immerhin sieben Prozent unter dem Schwellenwert, obwohl sie vollzeitbeschäftigt sind - im Westen allerdings auch noch vier von hundert.
Die Studie weist auch aus, wem es gut geht in Deutschland. Zwei Erwachsene ohne Kinder, die beide berufstätig sind, unterliegen nur zu drei Prozent dem Armutsrisiko. Das ist der beste Wert aller Gruppen. Die Daten dürften der laufenden Debatte über die Frage, ob das Ehegattensplitting nicht zugunsten der Familienförderung und Kinderbetreuung abgebaut werden sollte, Auftrieb geben. Die Studie wird europaweit künftig jährlich durchgeführt, so dass sich im Langzeitvergleich auch Veränderungen infolge der Reformpolitik zeigen werden. Die Auswirkungen von Hartz IV waren diesmal noch nicht enthalten, da sich die Statistiker in Deutschland auf Daten aus dem Jahr 2004 bezogen, als die Arbeitsmarktreformen noch nicht galten. (Eig. Ber./wk/jl)