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| 02:48 Uhr

Fast alle ehemaligen Militärflächen in Brandenburg werden zivil genutzt

Ehemaliger Russenflugplatz Lönnewitz bei Falkenberg (Elbe-Elster): 95 Prozent der Flächen sind veräußert und werden nachgenutzt. Die Firma uesa montiert in den Hallen (Bildmitte) Transformatorenstationen und hat in einen 7,5 MW-Solarpark investiert.
Ehemaliger Russenflugplatz Lönnewitz bei Falkenberg (Elbe-Elster): 95 Prozent der Flächen sind veräußert und werden nachgenutzt. Die Firma uesa montiert in den Hallen (Bildmitte) Transformatorenstationen und hat in einen 7,5 MW-Solarpark investiert. FOTO: uesa
Lönnewitz. Rund 100 000 Hektar Fläche, die einst von der Westgruppe der Truppen der ehemaligen sowjetischen Streitkräfte (WGT) genutzt wurden, hat Brandenburg im Jahr 1994 vom Bund übernommen. Inzwischen sind nach Angaben des Brandenburger Finanzministeriums mehr als 90 Prozent in eine zivile Nutzung überführt worden. Frank Claus

Der ehemalige Russenflugplatz Lönnewitz bei Falkenberg (Elbe-Elster) ist ein Musterbeispiel ziviler Nachnutzung ehemaliger, militärisch genutzter Flächen.

Inzwischen hat die Uebigauer Schaltanlagenbau GmbH (uesa) große Teile der Flächen und einige Hallen, in denen einst Jagdflugzeuge gewartet wurden, gekauft. Dort, wo die Triebwerke der Flugzeuge überprüft wurden, werden heute Transformatorenstationen gebaut. Die uesa entwickelt gegenwärtig einen 33 MW-Fotovoltaik Park und betreibt schon jetzt einen eigenen 7,5 MW-Park. Beide Anlagen sind Referenzobjekte, an denen die Schaltanlagenbauer ihren Kunden auch neueste technische Entwicklungen der Stromumwandlung zeigen.

Nur wenige Hundert Meter entfernt haben sich Baubetriebe angesiedelt. Eine Erschließungsstraße über das einstige militärische Sperrgebiet führt zur Bundesstraße in Richtung Torgau.

Noch immer Flugbetrieb

Und noch immer gibt es dort Flugbetrieb. Der Fliegerclub "Die Falken" hat Teile der einst mehr als 3000 Meter langen Start- und Landebahn erhalten und feiert an diesem Wochenende ein Flugplatzfest. Im nächsten Jahr, wenn der Flugplatz 80 Jahre alt wird, soll womöglich die gute alte "Tante Ju" zu Rundflügen einladen. Gegenwärtig werde geprüft, ob die Anmietung der Maschine finanziert werden kann.

Wenn Falkenbergs Bürgermeister Herold Quick (parteilos), der gegenwärtig auch Sprecher des Fokus-Netzwerkes ist - ein Forum für Konversion und Stadtentwicklung im Land Brandenburg - an die Anfänge zurückdenkt, kann er nur lächeln. Seine Vorgänger im Amt und er können ein Lied davon singen, wie potenzielle Investoren mit vollmundigen Ankündigungen kamen - und wieder gingen, als sie die Herkulesaufgabe sahen, die es bei der Nachnutzung militärischer Liegenschaften zu bewältigen gibt. Einst sollten dort sogar moderne Gigaliner produziert werden.

Gerichtet hat es am Ende der Mittelstand. Leute, wie Uesa-Chef Helmut Hoffmann zum Beispiel, die trotz zwischenzeitlichem Baustopp nicht verzagten.

Brandenburg ist in der Bundesrepublik das flächenmäßig am stärksten von Konversion betroffene Bundesland. Mehr als 90 Prozent dieser Flächen, so Herold Quick, sind inzwischen veräußert. "Auf diesen ehemaligen Militärflächen sind Gründer- und Technologiezentren, Kitas, Schulen, Hochschulen oder Erholungsgebiete entstanden. Der Natur- und Landschaftsschutz wurde aufgewertet und erhebliche Gefahrenpotenziale durch Altlasten oder Kampfmittel jeglicher Art wurden beseitigt."

Erlöse bisher: 300 Millionen Euro

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Die Linke) will bei der Auftakttagung für den Konversionssommer am heutigen Mittwoch in der Gemeinde Am Mellensee darstellen, in welchem Umfang im zurückliegenden Jahr Flächen veräußert werden konnten, aufzeigen, was wo investiert wurde und erklären, welche Erlöse das Land Brandenburg aus dem Flächenverkauf im Jahr 2014 erzielen konnte. Aus zurückliegenden Erklärungen aus seinem Haus ist bekannt, dass Brandenburg bislang etwa 300 Millionen Euro durch die Flächenveräußerungen seit 1994 eingenommen hat.

Herold Quick indes zeigt auf, dass die Nachnutzung der jetzt noch vorhandenen Flächen immer schwieriger werde. Denn das seien nicht mehr die Filetstücke, sondern vor allem die mit Munition und weiteren Altlasten belegten Flächen. In der Finanzierung der Aufgabe sieht er einen Knackpunkt: "Bisher konnte man bei der Erfüllung der Konversionsaufgabe auf Mittel des Europäischen Strukturfonds (Efre) zurückgreifen, wo die Konversion einen eigenen Titel hatte. Das ist in der neuen Förderperiode leider nicht mehr so. Die Kommunen haben nun die Möglichkeit, über den Stadt-Umland-Wettbewerb Fördermittel für die Konversion zu bekommen."

Quick ist sich sicher: "Dies wird aufgrund der Wettbewerbsbedingungen schwierig, da diese Investitionen mitunter in Konkurrenz zur städtischen Infrastruktur und zur Daseinsfürsorge stehen." Und noch etwas macht ihn skeptisch. "Die 1994 übernommenen Flächen befinden sich planungsrechtlich zu 89 Prozent im Außenbereich, zu zehn Prozent in Ortsrandlagen und nur zu einem Prozent im Innenbereich."

Allein durch diese räumliche Aufteilung werde deutlich, dass die Konversion bei kommunalpolitischen Entscheidungen nur in Ausnahmefällen hohe Priorität genießen könne und daher im Allgemeinen eher eine marginale Stellung einnehmen dürfte.