Der Bürgerbeirat vertritt etwa 500 von 800 Welzowern, die für den geplanten Anschlusstagebau umgesiedelt werden sollen. Der Beirat hatte sich im Januar 2010 im Welzower Wohnbezirk 5/Liesker Weg gebildet und vertritt inzwischen auch etwa 30 Familien aus dem Welzower Ortsteil Proschim.

Anlass der Briefe des Bürgerbeirates nach Potsdam sind zwei Ereignisse. Eines ist die Beauftragung von Professor Christian von Hirschhausen vom Deutschen Institut für Wirtschaft (DIW) durch das Umweltministerium mit einem Gutachten zu klima- und energiepolitischen Aspekten der Braunkohlenutzung in Brandenburg. Ein weiterer Anlass ist die Verschiebung der für Anfang März geplanten Sitzung des Braunkohleausschusses in Cottbus auf einen noch nicht genannten neuen Termin.

Das Hirschhausen-Gutachten wurde ausgelöst, nachdem vor wenigen Wochen der Entwurf eines vom Wirtschaftsministerium bestellten Gutachtens über die energiewirtschaftliche Notwendigkeit des neuen Tagebaus in Potsdam vorlag. Die inzwischen komplette Expertise bewertet die Braunkohleverstromung über 2030 hinaus als wichtig. Dass nun ein neues Gutachten vom Umweltministerium ausgelöst wurde, dazu herrsche bei vielen Welzowern "völlige Verständnislosigkeit", so Helmut Franz, einer von drei Sprechern des Bürgerbeirates und früherer Mitarbeiter im Bergbauunternehmen Vattenfall.

Die Briefe des Welzower Beirates sind nicht die einzigen Schreiben aus der Region, die in der Auseinandersetzung um neue Tagebaue in diesen Tagen die Landesregierung erreichen. Der Sprecher des Wirtschaftsministeriums bestätigt, dass auch von der Proschimer Ortsvorsteherin Petra Rösch ein Brief eingegangen sei. Rösch gilt als Gegnerin eines neuen Tagebaus.

Vor knapp zwei Wochen hatte bereits Sprembergs Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) an Ministerpräsident Matthias Platzeck geschrieben. Ohne den Bergbau könne der Region die wirtschaftliche Basis wegbrechen, warnte Schulze.

Am kommenden Montag soll nun ein neuer Termin für die Sitzung des Braunkohlenausschusses festgelegt werden. Das kündigte auf Nachfrage der Referatsleiter Braunkohleplanung bei der gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg, Hans-Otto Weymanns, an. Thema seien dann der überarbeitete Braunkohlenplan sowie der Umweltbericht zu Welzow-Süd Teilfeld II. Noch in diesem Jahr soll es einen zweiten Anhörungstermin in diesem Verfahren geben.