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Fan-Gewalt gegen Polizisten - Steinwürfe und Hassattacken

Mit Tränengas reagiert die Polizei auf die Ausschreitungen der Osnabrücker Fans im Spiel gegen Preußen Münster vom 7.2.2015, die ein Leuchtfeuer geworfen haben. Der Osnabrücker Addy-Waku Menga (r) versucht die Situation zu beruhigen.
Mit Tränengas reagiert die Polizei auf die Ausschreitungen der Osnabrücker Fans im Spiel gegen Preußen Münster vom 7.2.2015, die ein Leuchtfeuer geworfen haben. Der Osnabrücker Addy-Waku Menga (r) versucht die Situation zu beruhigen. FOTO: Friso Gentsch (dpa)
Schwerin/Rostock. Mit heftiger Kritik und Unverständnis hat Innenminister Lorenz Caffier (CDU) auf die juristisch mildere Bewertung von Steinwürfen eines Rostocker Fußballfans auf Polizisten reagiert. „Den Fall nur noch als gefährliche Körperverletzung und nicht mehr als versuchten Totschlag zu werten, hat eine fatale Doppelwirkung. dpa

Es ist demotivierend für die Polizeibeamten, die unter teilweise erheblichen Gefahren für Ordnung und Sicherheit sorgen. Und es ist motivierend für aggressive Rowdys, die scheinbar keine Grenzen mehr kennen“, sagte Caffier der Deutschen Presse-Agentur.

Er reagierte damit auf Aussagen eines Rostocker Haftrichters. Dieser hatte laut Gericht bei einem Haftprüfungstermin für einen wegen versuchten Totschlags angeklagten 32-jährigen Mann erklärt, dass die Steinwürfe als gefährliche Körperverletzung zu werten seien. Als Grund für diese Einschätzung nannte er die aufwendige, den Körper und auch den Kopf gegen Gewalteinwirkung schützende Ausrüstung der Polizei. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass der mutmaßliche Werfer davon ausging, er könne den Polizisten töten.

Der Mann war nach Auswertung von Videos als Tatverdächtiger ermittelt worden und sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft. Als Wurfgeschosse dienten bei den Krawallen am Rande des Drittligaspiels zwischen Hansa Rostock und Dynamo Dresden den Ermittlungen zufolge zwei faustgroße und ein deutlich größerer Pflasterstein. Ein Polizist war aus etwa acht Metern Entfernung getroffen und verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft erklärte auf Nachfrage, in ihrer Anklage bei dem Vorwurf des versuchten Totschlags bleiben zu wollen. Der Prozess könnte nach Gerichtsangaben im Juni beginnen.

Caffier erneuerte seine Forderung nach konsequenter Strafverfolgung. „Wir erleben nach Fußballspielen immer wieder regelrechte Gewaltorgien. Wer gezielte Angriffe auf Polizisten als Lappalie abtut, muss sich nicht wundern, wenn die Hemmschwelle immer weiter nach unten rutscht“, sagte Caffier. Als jüngstes Beispiel nannte er die Krawalle zur Eröffnung der Europäischen Zentralbank (EZB) Mitte März in Frankfurt/Main. Dabei waren nach Behördenangaben etwa 150 Polizisten verletzt worden. Das Blockupy-Protestbündnis sprach von mehr als 200 Verletzten auf Seiten der Demonstranten.

Nach Angaben der Polizeiinspektion Rostock wurden 2014 gegen gewaltbereite Fußball-Fans 383 Strafverfahren eingeleitet, davon im Stadionbereich von Hansa Rostock 189. Die Ermittler gehen davon aus, dass es im Umfeld von Hansa 130 gewaltbereite Personen gibt, 490 werden als gewaltgeneigt eingestuft.