Februar in New York die 18 Richter für den neuen Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag bestimmt wurden, war der 59-Jährige einer der ersten, der gewählt war. "Im achten Wahlgang", wie der ruhige Herr, der sich im Auswärtigen Amt in Berlin über Jahre um das Völkerrecht kümmerte, mit einigem Stolz betont. Andere brauchten 34 Wahlgänge. Und das, obwohl das Prozedere alles andere als einfach war. Alle 89 Staaten, die bis dahin den Vertrag für das neue Weltgericht unterzeichnet hatten, durften über sage und schreibe 43 Richterkandidaten abstimmen. Nord, Süd, Ost, West. Der Regionalproporz musste genauso berücksichtigt werden wie eine Frauenquote. Dann, als alle Richter und Richterinnen endlich feststanden, wurde auch noch in den Lostopf gegriffen. Jedem Richter wurde die Dauer seiner Amtszeit zugelost. Und nun erwischte Kaul praktisch eine Niete. Auf ihn fiel der Zettel mit einer Frist von nur drei Jahren. Neun oder sechs Jahre am Strafgerichtshof hätten es auch sein können.
Auch jetzt ist Kaul immer noch ein kleiner Rest an Enttäuschung anzumerken, selbst wenn er sich mit seinem Drei-Jahres-Los noch einmal zur Wiederwahl stellen kann. Für den bisherigen Diplomaten ist die Berufung dennoch die Erfüllung eines beruflichen Traums. Die höchste Stufe erklimmt er mit Ehrfurcht: "Das Amt eines Richters am Internationalen Strafgerichtshof ist eine sehr hervorgehobene Position mit einem hohem Maß an Verantwortung. Ich hoffe, dass ich wie andere auch mit der Belastung fertig werde, mich künftig mit besonders schweren Verbrechen auseinander setzen zu müssen", sagt er leise.
Auf Kaul und seine Kollegen könnte in den nächsten Jahren einiges zukommen. Der Katalog der Taten, für die das Gericht zuständig ist, lässt es erahnen: Völkermord, Folter, Kriegsverbrechen wie der Einsatz von Giftgas oder Verbrechen an der Zivilbevölkerung. Der vierfache Familienvater könnte zum Richter über Diktatoren und Tyrannen werden. Auch theoretisch über einen wie Saddam Hussein, falls sich die USA eines besseren besinnen und doch mit dem Strafgerichtshof zusammenarbeiten.
Dieses Gericht, an dem er nun amtieren wird, hat er immer gewollt. In seiner Zeit als Referatsleiter für Völkerrecht hat er sich immer dafür eingesetzt, dass nach 130 Jahren der Diskussion dieses Gericht nun installiert wird. Dementsprechend kann er wie kaum ein anderer erklären, was das Gericht sein wird: "Der Internationale Strafgerichtshof ist insoweit ein riesiges Plakat mit der Botschaft ,Tyrannen, Kriegsherren und Kriegsverbrecher - Ihr werdet verfolgt werden!'" Das Gericht werde dazu beitragen, "diese Welt gerechter und sicherer zu machen".