Der Brandenburger Hebammenverband hat die unklare Bezahlung der Arbeit der Familienhebammen ab dem kommenden Jahr kritisiert. „Bislang erhalten die Frauen aus unterschiedlichen Töpfen Geld“, sagte die Vorsitzende des Landesverbandes, Martina Schulze, der Deutschen Presse-Agentur. Das sei verwirrend und sorge für Unsicherheit. Auch die familienpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Kirsty Augustin, kritisierte die schwierige Situation für die Frauen, die diese Arbeit leisten.

Der Bund hatte das Projekt „Familienhebamme“ 2012 in Angriff genommen. Vernachlässigung von Kindern soll damit verhindert werden. Dafür werden Bundesmittel bereitgestellt. Die Spezialistinnen - staatlich examinierte Hebammen mit Zusatzqualifikation - haben vor allem psychosoziale Probleme der Familien im Blick - während sich „normale“ Hebammen vor allem um die medizinische Seite kümmern. Für Brandenburg gibt es in diesem wie im Vorjahr jeweils 1,42 Millionen Euro für Familienhebammen.

Doch nur 18 der extra ausgebildeten 49 Frauen sind nach Angaben von Schulze auch tatsächlich im Einsatz. „Ihre Arbeit wird ohne Zweifel anerkannt, doch das allein reicht nicht aus“, sagte Schulze. Die Frauen, meist freiberuflich tätig, müssten alle Kosten - etwa Versicherungen - allein tragen. Man könne dafür Verständnis haben, wenn sie trotz Zusatzausbildung nicht in diesem Bereich arbeiteten.

Es fehlten oft klare Rahmenbedingungen, vor allem zur Bezahlung. Ab 2016 müsse es einen Fonds geben, in denen auch das Land für die Einsätze Geld bereitstelle. „Wie die Einzelheiten sind, weiß noch niemand“, sagte die Hebamme. Zudem sei der Bedarf noch nicht ermittelt worden. „Wir gehen zunächst von zwei bis drei Familienhebammen pro Landkreis oder kreisfreie Stadt aus“, sagte sie. Theoretisch wäre die Zahl der ausgebildeten Spezialistinnen ausreichend.

„Familienhebammen sind die Experten, die dafür sorgen, dass Kinder von Anfang an richtig betreut werden“, sagte die CDU-Landtagsabgeordnete Augustin. Ihre Ratschläge berührten viele Bereiche. Der Bedarf wird aus ihrer Sicht im Land nicht richtig eingeschätzt. „Diese Angebote sind aber auf einen längeren Zeitraum ausgerichtet“, sagte sie. Da könne nicht einfach mittendrin Schluss sein, weil plötzlich Geld fehle.

In Brandenburg gibt es etwa 400 Hebammen, etwa 390 sind im Verband organisiert.