Wo ist das Problem beim Elterngeld ?

Bis her wird diese Lohnersatzleistung - mindestens 300 Euro, höchstens 1800 Euro im Monat - für maximal 14 Monate gewährt. Wer in dieser Zeit einem Teilzeitjob nachgehen will, bekommt unter dem Strich aber weniger Elterngeld, als wenn er seine Erwerbstätigkeit vollständig unterbrochen hätte. Obendrein verkürzt die Nutzung von Elterngeld bei gleichzeitiger Teilzeitarbeit durch beide Partner den Bezugszeitraum dieser Leistung. Im Ergebnis verzichten vor allem Mütter im ersten Jahr nach der Geburt des Kindes auf eine Erwerbsarbeit, obwohl sich Umfragen zufolge die Mehrheit von ihnen eine frühere Rückkehr in den Beruf wünsch t .

Welche Lösung ist vorgesehen?

Das "Elte rngeld Plus" bringt zwei wichtige Änderungen: Künftig können Mütter oder Väter 24 Monate lang Elterngeld beziehen, wenn sie nach der Geburt des Kindes einem Teilzeitjob nachgehen. Als Partnerschaftsbonus kommen vier Monate oben drauf, wenn sich die Eltern in dieser Zeit die Betreuung des Kindes teilen und parallel dazu jeweils zwischen 25 und 30 Stunden arbeiten. Unter dem Strich verdoppelt sich der Bezugszeitraum also auf insgesamt 28 Monate gegenüber der bisherigen Regelung. Allerdings bekommen Eltern in diesem Zeitraum monatlich auch nur halb so viel Geld wie die Bezieher des regulären Elterngeldes. Die Kosten für den Staat bleiben im Einzelfall also praktisch gleich .

Gibt es einen Haken?

Ja. Für künftige Eltern von Mehrlingen bringt die Reform einen Nachteil. Sie haben nur noch einen Elterngeldanspruch und nicht wie bislang für jedes neu geborene Kind. Der Mehrlingsbonus von 300 Euro pro Monat und Geschwisterkind bleibt aber erhalten. Auch gehen Familien mit Harz IV leer aus, weil das Elterngeld mit diesen Transfers verrechnet wird. Betroffene in Kleinbetrieben können ebenfalls nicht von den Neuerungen profitieren. Der Anspruch auf Teilzeit gilt nur für Firmen mit mehr als 15 Beschäftigten. Aus diesen Gründen hat sich auch die Linksfraktion gestern bei der Abstimmung enthalten. Derweil votierten die Grünen gemeinsam mit Union und SPD für das Gesetz.

Was ändert sich noch?

In dem Gesetz wird auch die Elternzeit neu geregelt. Es bleibt bei der dreijährigen unbezahlten Auszeit, um sich um die Kinder zu kümmern. Allerdings können davon künftig bis zu zwei Jahre auch noch zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes genommen werden. Bislang waren es nur zwölf Monate. Obendrein können die Eltern die Auszeit in drei statt bislang zwei Abschnitte aufteilen. Den dritten Anlauf kann der Arbeitgeber aber ablehnen, wenn gewichtige betriebliche Gründe dafür sprechen .

Was wird aus dem "alten" Elterngeld?

Das existiert weiter. Die Eltern können sich künftig zwischen der alten und neuen Variante entscheiden oder beide miteinander kombinieren.

Welchen Nutzen hat das Elterngeld?

Sc hon vor zwei Jahren kam eine DIW-Studie zu dem Schluss, dass die Erwerbstätigkeit der Mütter durch das 2007 eingeführte Elterngeld gestiegen ist. Im Jahr 2000 ging kaum ein Drittel der Mütter mit Kleinkindern (32 Prozent) einem Job nach. Zehn Jahre später waren es schon 40 Prozent. Offenbar entspricht dieser Trend auch dem Wunsch breiter Bevölkerungskreise. Nach einer aktuellen Allensbach-Erhebung sehen über 70 Prozent der Bundesbürger im Elterngeld eine gute Regelung .