Die Frau hatte Zimmer für den Wiesn-Besuch im Münchner Luxushotel "Bayerischer Hof" gebucht. Wer die Rechnung letztendlich bezahlt habe, wisse sie nicht. Wulff muss sich wegen Vorteilsannahme verantworten, weil der mitangeklagte Groenewold von Wulffs Rechnung 200 Euro übernommen haben soll. Später hatte sich der Ministerpräsident bei der Siemens-Spitze für ein Filmprojekt seines Freundes starkgemacht.

Die Zweite Große Strafkammer hörte als Zeugin eine frühere Mitarbeiterin der Staatskanzlei in Hannover, die für Wulffs Terminverwaltung verantwortlich war. Ihr zufolge gab es Codewörter, um freie Tage zu blocken. "Wenn wir mal ein freies Wochenende brauchten, haben wir eingetragen ,MP in Brandenburg'", sagte die Zeugin. "Mittagessen mit Professor M." sei auch ein solches Codewort gewesen. Auf diese Weise habe man verhindern können, dass weitere Terminanfragen an den Regierungschef herangetragen wurden. In einer Reihe von Fragen an diese Zeugin wies Wulff darauf hin, dass er als Ministerpräsident kaum Zeit für Privates gehabt habe. "Der Eindruck besteht, dass ich mein Leben weitgehend auf Sylt und auf Capri verbracht habe", sagte Wulff. Dabei seien im Januar 2008 schon 800 Termine für das Jahr 2008 in seinem Terminkalender eingetragen gewesen. Auch das letzte September-Wochenende mit dem Wiesn-Besuch war aus Wulffs Sicht kein freies Wochenende. Er sprach auf einer CSU-Veranstaltung ein Grußwort und traf sich mit Verleger Hubert Burda.

Die Hotel-Mitarbeiterin, bei der Wulff 2008 auscheckte, konnte sich nicht mehr an die Begegnung erinnern. Sie sagte aus, dass üblicherweise auf den Rechnungen nicht verzeichnet werde, wenn ein anderer Gast bereits einen Teil davon beglichen habe. Wulff erfuhr nach eigener Darstellung erst Anfang 2012, dass Groenewold einen Teil bezahlt hatte. Wulff war im Februar 2012 nach weniger als 600 Tagen im Amt als Bundespräsident zurückgetreten. Für diesen Donnerstag ist ein Zeuge geladen, der zu den Sicherheitsleuten gehörte, die Wulff beim Wiesn-Wochenende begleitet haben.