"Das Urteil des internationalen Sportgerichtshofes CAS ist abstrus. Fakten lagen auf dem Tisch, und doch ist Unrecht geschehen", sagte Gerhard Ehninger, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO), am Samstag in einem Interview.Am 25. März ist die Einspruchsfrist des Eislauf-Weltverbandes beim Schweizer Bundesgericht abgelaufen, bis zu der die ISU zum Eil-Antrag Pechsteins Stellung nehmen konnte. Die Berlinerin hatte auf Grundlage neuer medizinischer Erkenntnisse den Antrag gestellt, um in Vorwegnahme einer möglichen Revision vor dem Sportgerichtshof CAS möglichst schnell wieder ins Training einsteigen und an Sommer-Testrennen teilnehmen zu können. In einem Gutachten hatten führende DGHO-Experten der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin unlängst eine vererbte Blut-Anomalie bescheinigt. Anti-Doping-Fachleute kritisieren hingegen die neuen Ergebnisse als nicht überzeugend.Ehninger forderte nun erneut eine Aufhebung von Pechsteins Sperre. Es lägen neue Befunde vor, die auch neu verhandelt werden müssten. Zudem habe sich der CAS aus früheren Gutachten nur "diejenigen Dinge rausgepickt", die für ein Doping-Vergehen der Berlinerin sprechen würden. "Mein Appell ist: Kommt auf rechtsstaatliche Grundsätze zurück. Im Antidopingkampf darf es keine unschuldigen Opfer geben", sagte der Dresdner Mediziner. Pechsteins Sperre gleiche einer "Kreuzigung".Die Kritik der Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke und Fritz Sörgel an dem DGHO-Gutachten wies Ehninger zurück. Pharmakologe Sörgel sieht Pechstein keineswegs als entlastet an und den Doping-Verdacht auch durch den vererbten Gen-Defekt nicht ausgeräumt. Pechsteins Blut-Werte, die gerade vor Wettkämpfen besonders auffällig gewesen sein sollen, seien nicht nur durch Doping, sondern auch durch eine Kugelzell-Anomalie zu erklären, konterte Ehninger. "Bei körperlicher und seelischer Anstrengung reagiert der Körper mit veränderten Blutwerten", erklärte er. Die Kritiker seien keine echten Fachleute und würden nur ihre "vorgefertigte Meinung" wiederholen", wetterte er. "Anti-Doping-Kampf hat etwas Irrationales an sich, weil die Sache an sich so im Vordergrund steht. Wir müssen dafür sorgen, dass es ein gerechter Kampf wird."Zuletzt hatte auch Pierre-Edouard Sottas, Mitarbeiter des Anti-Doping-Labors Lausanne und einer der mit dem Fall beschäftigten ISU-Gutachter, Pechsteins Position gestärkt. "Das Profil von Pechstein entsprach nicht einem typischen Dopingfall", sagte er der "Neuen Zürcher Zeitung". Sottas will die ISU von Anfang an auf seine Bedenken hingewiesen haben. Der Weltverband ISU hat Pechstein für zwei Jahre bis Februar 2011 gesperrt, der CAS hatte dies bestätigt. Pechstein hofft, dass das Schweizer Bundesgericht bis etwa Ende Mai ihrem Antrag auf Revision des CAS-Urteils stattgibt und es zu einer Neuaufnahme des Hauptverfahrens in Lausanne kommt.