An Bord von zwei Passagierflugzeugen der British Airways, die auf der Strecke London-Moskau im Einsatz waren, wurden gestern Spuren einer radioaktiven Substanz entdeckt. Nach Informationen des Senders BBC handelt es sich dabei um Polonium 210. Mit derselben Substanz wurde Litwinenko vergiftet. Seit seinem Tod am vergangenen Donnerstag wurden Spuren von Polonium 210 bereits an mehreren Orten in London festgestellt.
Die Fluglinie British Airways betonte, dass an Bord der beiden Maschinen nur "sehr niedrige" radioaktive Spuren entdeckt worden seien. Das Risiko für Unbeteiligte sei "gering". Die zwei Flugzeuge vom Typ Boeing 767 seien aber ebenso wie eine dritte verdächtige Maschine, die noch in Moskau steht, vorsichtshalber außer Betrieb genommen worden. Alle Maschinen waren auf der Strecke London-Moskau unterwegs. Zugleich bat British Airways die Passagiere von vier Verbindungen in der Zeit vom 25. Oktober bis 3. November, sich zu melden.

Erst im Körper hochgiftig
Zuvor waren schon an sieben Stellen in London Spuren von Polonium 210 gefunden worden. Dabei handelte es sich jedoch stets um Orte, an denen sich Litwinenko seit Anfang November persönlich aufhielt. Auf Flugreisen war er nach bisherigem Wissensstand seither jedoch nicht. Möglich ist nun sowohl, dass Menschen, die mit ihm in Kontakt waren, in den betreffenden Maschinen saßen, als auch, dass Polonium 210 in den Flugzeugen transportiert wurde. Die Gefahr für die Umgebung wird von Experten als äußerst gering eingeschätzt, weil die Substanz nur eine ganz geringe Strahlung hat. Erst wenn sie in den menschlichen Körper gelangt, wird sie hochgiftig. Möglich ist dies zum Beispiel durch die Nahrung, durch eine Zigarette oder durch eine kleine Wunde.

Heute Obduktion Litwinenkos
Weiteren Aufschluss erhoffen sich die Ermittler von der Obduktion des Leichnams, die heute beginnen soll. Bislang ist noch immer nicht geklärt, wann und wie genau die radioaktive Substanz in Litwinenkos Körper kam. Als wahrscheinlichster Termin für einen Giftanschlag gilt der 1. November. An diesem Tag traf sich der ehemalige russische Geheimagent in London mit verschiedenen Kontaktmännern aus Russland und Italien.
Inzwischen kursieren zahlreiche Theorien, in wessen Auftrag der mutmaßliche Giftanschlag verübt worden sein könnte. Die Reihe der Verdächtigen reicht vom Kreml über den russischen Geheimdienst über Exil-Russen bis hin zu Litwinenkos Umgebung. Auch eine Selbst-Vergiftung oder ein Unfall beim Hantieren mit radioaktivem Material werden für möglich gehalten. (dpa/roe)