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Fall Jalloh beschäftigt Justiz seit mehr als zehn Jahren

Jedes Jahr am Todestag von Oury Jalloh erinnern Freunde und Bekannte in Dessau an den Asylbewerber aus Sierra Leone und seinen grausamen Tod.
Jedes Jahr am Todestag von Oury Jalloh erinnern Freunde und Bekannte in Dessau an den Asylbewerber aus Sierra Leone und seinen grausamen Tod. FOTO: dpa
Der Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle beschäftigt Polizei und Justiz seit mehr als zehn Jahren immer wieder. Eine Chronologie der Ereignisse: dpa/uf

7. Januar 2005: Oury Jalloh kommt bei einem Brand in einer Zelle des Dessauer Polizeireviers ums Leben. Der Mann aus Sierra Leone war in Gewahrsam, weil ihm vorgeworfen wurde, mehrere Frauen belästigt zu haben. Außerdem sollte seine Identität geklärt werden. Da er sich heftig gewehrt hatte, wurde er an Händen und Füßen gefesselt.

28. Mai 2005: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen zwei Polizisten. Ein Dienstgruppenleiter soll den Rauchmelder der Zelle ignoriert haben. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Der zweite Beamte wird wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, weil er ein Feuerzeug in Jallohs Hose übersehen haben soll. Die Anklagen werden zunächst nicht zugelassen.

18. Juli 2006: Gutachter kommen zu dem Schluss, dass der angeklagte Dienstgruppenleiter am 7. Januar 2005 falsch reagierte. Nach Einschätzung von Brandexperten wäre der Mann "bei rechtzeitigem und sachgerechtem Handeln" des Polizisten zu retten gewesen.

27. März 2007: Am Landgericht Dessau beginnt der Prozess gegen die beiden Polizisten. Sie bestreiten die Vorwürfe im Wesentlichen. Die Mutter Jallohs ist als Nebenklägerin vertreten.

8. Dezember 2008: Das Landgericht Dessau-Roßlau spricht die beiden angeklagten Polizisten frei.

7. Januar 2010: Der Bundesgerichtshof entscheidet, dass der Prozess gegen den Dienstgruppenleiter neu aufgerollt werden muss. Der Freispruch des anderen Beamten ist rechtskräftig.

12. Januar 2011: Am Landgericht Magdeburg beginnt der neue Prozess.

21. Januar 2011: Der Angeklagte sagt aus, trotz des mehrfachen Alarms nicht an einen Brand in der Zelle gedacht zu haben. Mindestens einmal habe er den Alarm ausgestellt.

13. Dezember 2012: Das Landgericht Magdeburg verurteilt den Beamten wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 90 Euro. Gegen das Urteil legen der Verurteilte, die Staatsanwaltschaft sowie die Nebenklage Revision ein. Der BGH muss sich ein zweites Mal mit dem Fall befassen.

12. November 2013: Die "Initiative in Gedenken an Oury Jalloh" stellt ein neues Brandgutachten vor, nach dem Jalloh das Feuer in der Zelle nicht selbst gelegt haben kann. Die Aktivisten hatten mit dem irischen Brandgutachter Maksim Smirnou Matratzen und Schweinekadaver angezündet und kamen zum Ergebnis, dass Jalloh mit Benzin übergossen und angezündet worden sein muss.

Die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft hatten aber keine Brandbeschleuniger gefunden.

4. September 2014: Der Bundesgerichtshof bestätigt das Urteil des Landgerichts Magdeburg. Damit ist die Verurteilung in letzter Instanz rechtskräftig abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau betont, die Akte Jalloh sei noch nicht geschlossen. Es werde weiter ermittelt, wie es zum Brand gekommen ist.

27. Oktober 2015: Die "Initiative in Gedenken an Oury Jalloh" präsentiert neue Gutachten, die eine Beteiligung von Polizisten am Tod Jallohs für wahrscheinlich halten. Die Gutachter aus England und Kanada fanden in den Unterlagen zu dem Fall aber auch keine Beweise für die Mordthese.

18. August 2016: Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau will einen neuen Brandversuch durchführen lassen. Damit soll geklärt werden, ob Jalloh selbst das Feuer gelegt haben kann.