habe um Ostern 2006 an einer Kehlkopfentzündung gelitten und eine tiefe, kratzige Stimme gehabt, sagte der Hausarzt gestern vor dem Potsdamer Landgericht. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage vor allem auf den Mitschnitt, auf dem nach ihrer Überzeugung die Stimme von Björn L. zu hören ist. Der 30-Jährige soll am Ostersonntag 2006 den Deutsch-Äthiopier Ermyas M. durch einen Faustschlag lebensgefährlich verletzt haben.
Er bestreitet - wie auch der wegen unterlassener Hilfeleistung mitangeklagte Thomas M. - überhaupt am 16. April 2006 am Tatort gewesen zu sein. Auf der Handy-Mailbox der Ehefrau des Opfers ist ein Wortgefecht zwischen den mutmaßlichen Tätern und dem Opfer zu hören. Laut Anklage folgte anschließend die Attacke auf Ermyas M. Auf die Frage, ob jemand mit den damaligen Symptomen von Björn L. so sprechen könnte, wie der mutmaßliche Täter auf der Aufzeichnung, sagte der Arzt: "Eher nein." Er hatte bei Björn L. vier Tage vor der Tat eine Kehlkopfentzündung diagnostiziert und pflanzliche Mittel verordnet.
Am Dienstag nach Ostern sei Björn L. wegen einer Überweisung zum Facharzt wieder in seiner Praxis gewesen, wobei er keine Verbesserung des Gesundheitszustandes bemerkt habe, sagte der Mediziner. Nach Überzeugung mehrerer gestern gehörter Zeugen, darunter Freunde von Björn L. und eine Sozialarbeiterin, ist dessen Stimme nicht die auf dem Mitschnitt. Wann das Stimmengutachten vorgetragen wird, steht noch nicht fest.
Aus Sicht der Verteidigung fällt die Anklage weiter in sich zusammen. "Der Prozess hat bislang keinerlei belastende Beweise gegen Björn L. erbracht", sagte Anwalt Matthias Schöneburg. Er warf der Staatsanwaltschaft eine "einseitige Betrachtungsweise" vor; entlastende Zeugenaussagen tauchten nicht in der Anklage auf.
Der Prozess wird am nächsten Freitag fortgesetzt.
() (dpa/uf)