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Fakten-Check

1 „Griechenland war schon 2010 pleite.“ Mit dieser Auffassung steht Sahra Wagenknecht nicht allein. Johannes M. Fischer

Unter anderem erklärte der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, Griechenland sei seit 2010 "faktisch mehrfach insolvent" gewesen. In der "Süddeutschen Zeitung" monierte er im Dezember 2014, mit immer neuem Geld sei die Insolvenz lediglich verschleppt worden. Aus Protest gegen die Rettungsmaßnahmen war Stark 2011 von seinem Posten bei der EZB zurückgetreten.

2 "Deutsche Steuergelder gingen an die Banken."

Das gegenwärtige Griechenland-Klischee geht anders: Die Griechen stecken die Milliarden-Hilfe in einen aufgeblähten Staatsapparat, bezahlen damit die Polizei und versüßen Rentnern den Lebensabend. Die Zahlen des Think Tanks (Denkfabrik, Forschungsinstitut) "Macro Polis" untermauern dagegen die Aussage von Sahra Wagenknecht. Nur circa elf Prozent der Hilfen flossen laut einem Instituts-Bericht im Januar ("Where did all the money go?") in die Staatstätigkeit. Mehr als die Hälfte der Hellas-Hilfen verloren sich den Angaben nach im Schuldendienst: etwa 40 Milliarden Euro für Zinszahlungen, rund 80 Milliarden Euro, um fällige Kredite abzulösen und noch einmal neun Milliarden Euro für die Rückzahlung von Schulden an den Internationalen Währungsfonds. Mit weiteren 48 Milliarden Euro (fast 20 Prozent der Gesamtsumme) hielt Griechenland die eigenen Banken am Leben.

3 Brzezinskis These von der Bedeutung der Ukrainie für Russland

Das vollständige Zitat aus dem Buch "Die einzige Weltmacht - Amerikas Strategie der Vorherrschaft" (1999) lautet wie folgt: "Die Ukraine, ein neuer und wichtiger Raum auf dem eurasischen Schachbrett, ist ein geopolitischer Dreh- und Angelpunkt, weil ihre bloße Existenz als unabhängiger Staat zur Umwandlung Russlands beiträgt. Ohne die Ukraine ist Russland kein eurasisches Reich mehr." Zbigniew Brzezinski gilt als einer der intellektuellen Strippenzieher der US-Außenpolitik. Unter anderem war er von 1977 bis 1981 Sicherheitsberater des US-amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter. Eine seiner zentralen Fragestellungen lautet: Wie gelingt es der einzigen Weltmacht USA, das Aufkommen einer dominierenden gegnerischen Macht zu verhindern? Übrigens sprach die LAUSITZER RUNDSCHAU im September 2014 auch Bundeskanzlerin Angela Merkel auf das besagte Zitat an. Ihre Antwort lautete damals: "Ein Teil unserer Herausforderung heute besteht darin, Russland deutlich zu machen, dass es selbst von einem engen, kooperativen Verhältnis mit Europa weitaus mehr Vorteile hat, als wenn es versucht, das Rad der Geschichte zurückzudrehen und die Welt wieder in Einflusssphären aufzuteilen."

In der polnischen Zeitung "Gazeta Prawna" äußerte sich Brzezinski übrigens unlängst erneut zur Ukraine. Der 87-Jährige ist für eine Mitgliedschaft der Ukraine in der EU, zweifelt aber an der Notwendigkeit, das Land in die Nato aufzunehmen.

4 "In den USA gab es bereits 2013 Ausschreibungen zur Modernisierung von Militärgebäuden auf der Krim."

Das ist richtig. Jedenfalls führten Recherchen der LAUSITZER RUNDSCHAU zu einer Ausschreibung der US-Navy im September 2013, in der es um die Modernisierung einer Militärschule geht. Der Auftrag bewegte sich in einer Größenordnung zwischen 250 000 und 500 000 Dollar (232 000 bis 465 000 Euro). Das Projekt wurde nach der Annexion der Krim durch Russland storniert. Die Interpretationen im Internet zu diesem eher kleinen Auftrag reichen von einer "Goodwill"-Geste der Amerikaner gegenüber der Ukraine bis zur verschwörerischen These, die USA hätten den Bau einer "Geheimbasis" in Sewastopol geplant.

5 Rechtsextremisten aus Europa feiern Wladimir Putin - und kämpfen in der Ost-Ukraine auf der ukrainischen Seite.

Beides ist richtig. So reiste Ende März der Ex-Chef der NPD Udo Voigt zu einer Konferenz nach Sankt Petersburg. Voigt war einer der Redner. "Spiegel online" zufolge machte er sich dort für Putin stark und forderte ein Ende der Sanktionen. Doch Rechtsextremisten agieren auch auf der anderen Seite. So rekrutiert das "Bataillon Asow" nach übereinstimmenden Berichten europäischer Medien Neonazis aus ganz Europa im Kampf gegen prorussische Separatisten. Finanzielle Unterstützung bekommt das Nazi-Bataillon unter anderem aus der Schweiz, berichtete unlängst die Schweizer "Sonntagszeitung".