1 "444 Last Edition" mit knallroten Hosenträgergurten und 170 km/h Spitze. Nur wenige Meter daneben findet sich ein zur Wendezeit produzierter Zwickauer Zweitakter S 601 de Luxe im zarten Himmelblau, innen ausgelegt im gedeckten Rosé und mit gerade einmal 39 Kilometern auf dem Tacho. "Die sind vom Schieben im Werk. Gefahren wurde der Wagen nie", sagt der Ideengeber und Chef der neuen Galerie Mobil, Hans-Joachim Stephan. Am Freitag hat der 47-jährige Westfale sein Museum "Kraftfahr-Zeugen Ostmobil" an den Start geschickt.
40 Autos und 50 Zweiräder aus den Jahren 1945 bis 1990 stehen in der Dauerausstellung stellvertretend für die Zeit von der sowjetischen Besatzung bis zum Untergang der DDR. Exponate der Marke Trabant hat der gebürtige Dortmunder in den Mittelpunkt gerückt. "Es ist eine Hassliebe. Man hat ihn fahren müssen, weil es nichts anderes gab. Aber man hat ihn auch geliebt mit all seinen Macken und Tücken", gibt er seine Eindrücke über die einstigen Besitzer preis.
Texte, Fotografien und Cartoons des Malers Falk-Ingo Renner ergänzen die Schau und geben Besuchern gleichzeitig Nachhilfe zum Thema Grenzgeschichte. Für (N)Ostalgiker hat Stephan außerdem ein Porträt des ehemaligen DDR-Staatschefs Erich Honecker nebst Flagge mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz gut sichtbar inmitten der Schau platziert.
"Honecker hat gesagt, die DDR würde 100 Jahre bestehen. Wir haben sein Bild dazugehängt, um zu zeigen, dass es nicht so war", sagt Stephan. Mit dem Museum hat sich der ehemalige Bauamtsleiter einen lang gehegten Wunsch erfüllt und gleichzeitig sein Hobby zum Beruf gemacht. Elf der gezeigten Fahrzeuge nennt Stephan sein Eigen. Die anderen Exponate haben Sammler zur Verfügung gestellt. In das Museum über Lebensmittel-, Tee- und Spielzeuggeschäften in der Markthalle hat der Existenzgründer einen sechsstelligen Betrag investiert - mehr verrät er nicht.
Mit der abgefahrenen Schau scheint Ausstellungsmacher Stephan den Zeitgeist zu treffen. Männer und Frauen, Junge und Alte gleichermaßen passierten zur Eröffnung die Kasse des Museums. "Der Trabi ist von unten bis oben gepflegt worden", sagt Heinz Müller, einer der ersten Ausstellungsbesucher mit einer Mischung aus Stolz und Wehmut in der Stimme. Zwar hat der Dresdner Senior nie selbst einen Trabi besessen, verbunden fühlt er sich der "Pappe" dennoch: "Das war eine absolute Liebe. Da sind sogar die Ersatzteile wie Verteiler und Zündkerzen vorsichtshalber mit in den Urlaub genommen worden."