Grünewald zufolge gibt es im Freistaat mehr als 900 Fahrschulen. Deren Zahl gehe aber zurück, weil viele Inhaber das Ruhestandsalter erreicht hätten.
Er glaube nicht, dass Fahrschüler wegen steigender Preise abspringen, sagt Grünewald. "Viele sind auf den Führerschein angewiesen." Derzeit müssen in Sachsen für eine Auto-Fahrstunde (Führerschein-Klasse B) zwischen 23 und 30 Euro bezahlt werden, für Fahrten auf Landstraßen, Autobahnen und Nachtfahrten 32 bis 39 Euro. Das sei regional sehr unterschiedlich. Fahrschulbetriebe könnten durch die höheren Benzin- und Energiekosten nur in Bedrängnis geraten, wenn sie die gestiegenen Kosten nicht in ihre Kalkulation einbezogen hätten, sagt er.
"Die höheren Benzinpreise können gar nicht zu 100 Prozent an die Kunden weitergegeben werden", sagt Frank Thomas von der Academy-Fahrschule in Dresden. Er rechnet damit, dass einige Unternehmen aufgeben. "Die Fahrschulen arbeiten alle am Minimum." Die Preise für den Erwerb eines Auto-Führerscheins bezifferte er mit etwa 1200 bis 1500 Euro. Es gebe aber viele Schüler, die mehr Stunden brauchten und deshalb auch mehr zahlen müssten. Der Wettbewerb lasse keine großartigen Preissteigerungen zu, bestätigt Matthias Uhlig, Chef einer Fahrschule in der Leipziger Südvorstadt. Ein Teil der höheren Kosten bleibe bei den Fahrschulen hängen. "Bei wem denn sonst?" Es seien ja nicht nur die höheren Benzinpreise, auch etwa neue Reifen oder die Wartung der Fahrzeuge sei teurer geworden.
Der Chef der Chemnitzer City-Fahrschule, Thomas Hanske, will seine Preise erhöhen. "Ich muss anpassen. Aber wenn die Qualität der Fahrschule stimmt, wenn etwa das Unterrichts-Fahrzeug noch relativ neu ist und gefällt, dann wird die Erhöhung auch akzeptiert." Die Umrüstung auf Erdgas, um Kosten zu sparen, lohne hingegen kaum. Seine Alternative: "Bei der Anschaffung des nächsten Fahrschul-Autos wird auf ein billigeres Modell umgestiegen." Der Auto-Führerschein könnte laut Hanske künftig im Durchschnitt etwa 50 bis 100 Euro teurer werden. Dass sich der Markt der Fahrschulen in Sachsen schnell lichten wird, glaubt Hanske nicht. Viele Fahrschul-Unternehmer machten weiter, obwohl sie das Ruhestandsalters schon erreicht hätten. "Die haben wegen zu niedriger Preise vermutlich früher zu wenig verdient und brauchen jetzt einfach Geld."
Neben steigenden Spritkosten macht zunehmend der Rückgang der Fahrschüler-Zahlen durch geburtenschwachen Jahrgänge und die Abwanderung junger Leute zu schaffen. Das werde die Unternehmen in den großen Städten wie Leipzig, Dresden und Chemnitz nicht so stark treffen wie im ländlichen Raum, sagt Grünewald. Einige Fahrschulen suchten sich deshalb neue Betätigungsfelder wie etwa die Weiterbildung von Berufskraftfahrern, das Training für eine energiesparende Fahrweise oder Seminare für ältere Autofahrer.