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Fahrlehrer auf der falschen Spur?

Wolfgang Starick, Verkehrsinstitut Starick, bildet Fahrschüler und Fahrlehrer aus. Foto: Zeidler
Wolfgang Starick, Verkehrsinstitut Starick, bildet Fahrschüler und Fahrlehrer aus. Foto: Zeidler FOTO: Zeidler
Cottbus. Fahrlehrermangel in der Lausitz: Während die Zahl der Fahrschüler steigt, fehlen zunehmend diejenigen, die auf dem rechten Fahrsessel Platz nehmen wollen. Michèle-Cathrin Zeidler

"Viele Fahrschulen in der Region suchen händeringend Nachwuchs", sagt Wolfgang Starick, Inhaber vom Verkehrsinstitut Starick mit Standorten in Cottbus, Forst, Spremberg, Guben und Weißwasser. Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt sind in Brandenburg aktuell 1.740 Fahrlehrer registriert, 12,3 Prozent weniger als noch vor sechs Jahren. Im Freistaat fällt der Rückgang sogar noch stärker aus: Hier sitzen zurzeit fast 20 Prozent weniger Fahrlehrer (2.012) am Beifahrersteuer als noch vor sechs Jahren.

Aber nicht nur in der Lausitz leidet die Branche unter einem Fachkräftemangel. "Anfang des Jahres gab es in Deutschland 44.610 Fahrlehrer. Vor sechs Jahren waren es noch rund 10.000 mehr", erklärt Wolfgang Starick, der gleichzeitig auch der Brandenburger Geschäftsführer vom Interessenverband Deutscher Fahrlehrer ist. Der Grund für diesen Mangel ist mehrspurig. "Zum einen gibt es in der Branche eine hohe Altersstruktur", so der Diplom Pädagoge und Ingenieur. "Viele verabschieden sich in den nächsten Jahren in den Ruhestand." Er denkt mit seinen 62 Jahren allerdings noch nicht an die Rente. Auch hat früher die Bundeswehr viele Fahrlehrer ausgebildet und nach ihrer Zeit beim Bund machten viele Soldaten dann als Fahrausbilder auf dem zivilen Markt weiter. Davon hat die Branche in der Vergangenheit stark profitiert, doch inzwischen hat sich die Armee fast vollständig aus der Ausbildung zurückgezogen.

"Außerdem ist die Ausbildung zum Fahrlehrer sehr kostenintensiv und die Anforderungen sind hoch", sagt Wolfgang Starick. Derzeit brauchen die Anwärter für die Ausbildung zum Fahrlehrer noch einen Führerschein für die Auto-, Motorrad- und LKW-Klassen. "Auch dann, wenn sie später nur den normalen Autoführerschein anbieten wollen", erklärt der Experte. Um die Ausbildung zum Fahrlehrer attraktiver zu gestalten, möchte die Politik gerne die Ausbildung reformieren und setzt dabei auch an diesem Punkt an. Ab dem kommenden Jahr müssen angehende Fahrlehrer künftig keinen zusätzlichen Motorrad- und Lkw-Führerschein mehr besitzen. Damit fällt zwar ein Kostenfaktor weg, aber die Ausbildung bleibt aufwendig und teuer. "Erstmal stehen aktuell fünf unbezahlte Monate Theorie mit Pädagogik, Recht und Gefahrenlehre auf dem Stundenplan", erklärt Wolfgang Starick den Ablauf der Ausbildung. Im Anschluss folgt eine viermonatige Praxiszeit in einer ausbildenden Fahrschule. "Hier fahren die angehenden Fahrlehrer zuerst nur mit, gegen Ende der Ausbildung übernehmen sie dann eigenständig Stunden", sagt der Gründer vom Verkehrsinstitut Starick. Geld gibt es auch dafür noch nicht: "Stattdessen stehen vielen teure Prüfungen in Theorie und Praxis an." Nur für den Pkw-Bereich schätzt der Ausbilder die Kosten auf 5.000 Euro. "Diese Summe ist in der Selbstfinanzierung schwer zu stemmen, aber das Arbeitsamt übernimmt die Kosten, wenn die Anwärter bestimmt Voraussetzungen erfüllen", weiß Wolfgang Starick. Teilnehmer können ferner BAföG beantragen.

Durch die Reform sinkt außerdem das Mindestalter für eine Fahrlehrererlaubnis von 22 auf 21 Jahre. "Ein Mindestalter ist dennoch sinnvoll", findet Wolfgang Starick. "Fahrlehrer müssen über eine gewisse Fahrerfahrung verfügen und auch schon schwere Situationen gemeistert haben." Nur dann könnten die Schüler von ihrem Erfahrungsschatz profitieren. Im Zuge der Reform soll weiterhin die Dauer der Ausbildung um zwei auf zwölf Monate verlängert werden. Als Gründe werden hierfür die steigenden Anforderungen an den Fahrlehrer angeführt. Außerdem sollen Fahrlehrer besser in Lernmethoden geschult werden. "Die Autos haben sich verändert und wir müssen unseren Schülern heute auch die technischen Systeme erklären", weiß auch Wolfgang Starick. Elektromobilität, Fahrassistenzsysteme und auch ökonomisches und autonomes Fahren sind Herausforderungen, die sich Fahrlehrer in Zukunft stellen müssen. "Der Beruf ist im Wandel und in naher Zukunft sprechen wir vielleicht nicht mehr vom Fahrlehrer, sondern vom Mobilitätscouch", gibt Wolfgang Starick Stimmen aus der Branche recht.