Sehr viel mehr als diese fast 50 Jahre alten Fakten, ein paar Fotos, einen Hotelbeleg und ungezählte dubiose Hinweise zum meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher Aribert Heim hatten die Fahnder nicht in der Hand, um sich auf die Suche zu machen. Nun scheint die Fahndung nach dem KZ-Arzt, dem berüchtigten "Dr. Tod", zu Ende zu sein. Schon vor mehr als 16 Jahren soll Heim in Kairo gestorben sein. Während das baden-württembergische Landeskriminalamt (LKA) von "ernstzunehmenden Informationen" spricht, äußern andere Nazi-Fahnder Zweifel an den Medienberichten. Die Experten der größten Fahndungsstelle für NS-Verbrechen in Ludwigsburg fragen wie die österreichische Justiz nach Beweisen. Der Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Ephraim Zuroff, sagt, die Berichte über Heims angeblichen Tod bewiesen nur, dass er in Ägypten gelebt habe. Aus Sicht der meisten Historiker steht die Dimension des Falles Heim den Verbrechen eines Josef Mengele, dem "Todesengel von Auschwitz", kaum nach. Der bestialische Mediziner Heim, 1914 in der Steiermark geboren, soll Insassen als Lagerarzt unter anderem Benzin und Chemikalien ins Herz gespritzt haben, er soll Häftlingen ohne Betäubung Organe entnommen und akribisch Notizen über seine Taten geführt haben. Und dennoch konnte er nach dem Krieg jahrelang unbehelligt in Baden-Baden als Frauenarzt arbeiten. Erst 1962 schien sich die Schlinge zuzuziehen. Jedoch konnte Heim entkommen. Nach dieser Flucht findet sich kaum mehr als ein Hotelbeleg aus Berlin, wo Heim 1963 nach Vermutungen der Fahnder sein Vermögen ordnen wollte. Was war nicht alles spekuliert worden um den Mann mit dem Beinamen "Schlächter von Mauthausen"? In Argentinien wurde er vermutet, in Lateinamerika und immer wieder in Spanien. Heims Tochter wohnt seit Langem in Chile. In Südamerika hatten auch andere NS-Täter Unterschlupf gesucht. Immer wieder wurden Informanten zitiert, die Heim gesehen haben wollen. Beim LKA Baden-Württemberg füllt der Fall bereits 70 Aktenordner. "Wir haben seit Jahrzehnten unendlich viele Spuren in fast alle Winkel dieser Welt verfolgt", sagte der Richter und Sprecher des Landgerichts Baden-Baden, Heinz Heister. In Ägypten habe man Heim aber nicht vermutet. Ebenso unbeantwortet wie die Umstände seiner Flucht ist bislang die Frage, wie Journalisten aufdecken konnten, was einer Heerschar von Zielfahndern und privat organisierten Nazi-Jägern über mehrere Jahrzehnte nicht gelang. Nicht ganz neu sei das Gerücht, Heim lebe in Nordafrika, erklärte das LKA in Stuttgart nun. "Nach vielen erfolglosen Versuchen anderer Journalisten war dies eine Mischung aus guter Recherche, Zufall und Glück", sagt Richter Heister.