Die Rathäuser von Leipzig und Chemnitz werden auch 2013 wohl in SPD-Hand bleiben. Damit werden die Sozialdemokraten, die in Sachsen mit zehn Prozent kaum als Volkspartei gelten können, die sächsische Metropolentrias Leipzig, Dresden und Chemnitz weiterhin zu zwei Dritteln beherrschen.

Dies wird, sofern es eintrifft, auch Verdienst der CDU sein - denn Sachsens Regierungspartei stellt weder in der Messestadt Leipzig noch in der "Stadt der Moderne" Chemnitz ein Gegengewicht dar. Damit folgt Sachsen dem bundesweiten Elend der Union in den Großstädten. Selbst CDU-Erbhöfe wie Frankfurt/Main und Karlsruhe fielen 2012 den Sozialdemokraten zu. Die Grünen eroberten Stuttgart, die Hauptstadt im ohnehin längst grünen Baden-Württemberg.

Sachsen verfügt mittlerweile über die Seltenheit einer CDU-geführten Landeshauptstadt. Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz teilt sich mit ihrem Düsseldorfer Kollegen Dirk Elbers (CDU) die rote Laterne am Ende der Reihe der 16 Hauptstädte der Republik.

Bundesweit schlägt bereits der urbane Unions-Nachwuchs Alarm. Worin das Problem liegt, lässt sich in Sachsen gut beobachten. Allein die Kandidatenfindung der CDU für die beiden wichtigen Oberbürgermeisterwahlen war ein Trauerspiel. In Chemnitz, wo am 16. Juni gewählt wird, tritt SPD-Amtsinhaberin Ludwig gegen ihren parteilosen Rechtsbürgermeister Miko Runkel an, den die Linke als Kandidaten ins Rennen schickt.

Die CDU zauberte im November nach langem Hickhack den 42-jährigen Ralph Burghart aus dem Hut. Der ehemalige Bundeswehroffizier war bis dato auf kommunalpolitischem Parkett noch völlig unbekannt. Seine härteste Referenz ist seine Erfahrung als Mitglied der Geschäftsführung in der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. Dennoch gilt es als unwahrscheinlich, dass die Christlich-Konservativen mit Burghart das Rathaus zurückerobern, das sie 1993 an die SPD verloren. Dort erreichte Barbara Ludwig, die ehemalige Wissenschaftsministerin in der schwarz-roten Sachsen-Koalition, 2006 knapp 50 Prozent der Stimmen.

Auf 55 Prozent kommt Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung derzeit. Eine Umfrage sieht den Amtsinhaber als klaren Sieger am 27. Januar. Für den 54-jährigen Sozialdemokraten wäre das ein Zuwachs. Bei der letzten Wahl 2006 bekam er im zweiten Wahlgang 51,6 Prozent, vor dem CDU-Kandidaten Uwe Albrecht, der am Ende bei 44 Prozent lag.

So nah wird die CDU der Macht in der Messestadt diesmal kaum kommen, denn ihr Kandidat, der parteilose Horst Wawrzynski, liegt gerade bei 21 Prozent. Mit ihm, dem noch amtierenden Polizeipräsidenten, setzt die Union auf eine einzige Karte. Sie greift das Sicherheitsproblem in der Stadt auf und präsentiert den Haudegen gegen Kriminelle und Rechtsex treme als Ordnungspolitiker.

Wawrzynskis Problem aber: Er hat nur dieses eine Thema. Seine Kür kann getrost als Notlösung gelten, nachdem sich die heillos zerstrittene Leipziger CDU auf keinen Politprofi aus den eigenen Reihen einigen konnte.

Etwas entspannter sieht es für die CDU in den kleineren Städten aus. Wichtige Mittelzentren wie Bautzen, Riesa, Mittweida und Limbach-Oberfrohna sind noch sicher unter schwarzer Fahne. Etwa 170 Bürgermeister im Lande haben CDU-Parteibücher - oder reiten zumindest auf dem Ticket der Union.

Derweil kann sich Dresdens OB Helma Orosz auf eine starke Hausmacht stützen. In Sachsens alter Residenzstadt ist die SPD keine gefährliche Größe, die Grünen indes gewinnen dazu. Orosz wurde 2008 mit 64 Prozent gewählt - muss aber derzeit Störfeuer aus den eigenen Reihen ertragen. Im Gerangel um den Stadthaushalt, der noch immer nicht verabschiedet ist, schossen Parteikollegen sowie der Koalitionspartner FDP giftige Pfeile auf die 59-Jährige.

Eine aktuelle Umfrage ergab nun zudem, dass von den jungen Dresdnern unter 24 Jahren nur jeder zweite etwas mit dem Namen Orosz anfangen kann. Glücklicherweise wählt Dresden erst 2015.