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| 02:41 Uhr

Exzellente Forschung – eine Erfolgsgeschichte mit Schönheitsfehlern

Rät zur Fortsetzung des Programms: Dieter Imboden.
Rät zur Fortsetzung des Programms: Dieter Imboden. FOTO: dpa
Berlin. Die Exzellenzinitiative für Spitzenforschung an den Unis hat viel gebracht, für gar nicht mal so viel Geld. Und klar, das Programm muss fortgesetzt werden, sagen Experten. Ihre Bilanz spart Schattenseiten nicht aus. dpa/sm

An deutschen Hochschulen sind in diesem Wintersemester 2 759 267 Studierende eingeschrieben - mehr als je zuvor. 63 Studenten müssen sich nach einer aktuellen Studie einen einzigen "Prof" teilen. Die Grundfinanzierung der Bundesländer für die Unis stagniert - man merkt es an maroden Gebäuden, engen Büro- oder Laborräumen. Und erst seit Kurzem kümmert sich die Politik um das Problem der Kurzfrist-Zeitverträge, mit denen sich Zehntausende junge Forscher und Dozenten über die Runden quälen.

Traumjob Wissenschaft? Von "Exzellenz" keine Spur, so scheint es. Dieter Imboden und seine Kollegen in der Bund-Länder-Kommission zur "Exzellenzinitiative" verschweigen diese Probleme in ihrem Gutachten keineswegs.

Die Situation hoffnungsvoller junger Menschen an den Unis sei "nicht ganz frei von Zynismus", so einer der kritischen Untertöne des am Freitag in Berlin vorgestellten Berichts. Und doch gibt die Evaluation des bisher 4,6 Milliarden Euro teuren Förderprogramms für die Spitzenforschung Politikern und Wissenschaftlern überwiegend Anlass zur Zufriedenheit. Wie passt das zusammen?

An die Mühen der Ebene, etwa an die wenig prestigeträchtige Lehre, war nicht gedacht, als das Elite-Projekt vor zehn Jahren auf Drängen der SPD aus der Taufe gehoben wurde. Insofern wurden viele Ziele nach Einschätzung Imbodens erreicht: "Die deutschen Universitäten sind auf dem Weg", auch wenn das Ziel noch weit weg sei. Von "neuer Dynamik" ist die Rede, vom Strukturwandel zu mehr Internationalisierung, von hoher Qualität der Forschung in Exzellenzclustern und an einem knappen Dutzend Leuchtturm-Hochschulen.

Obgleich München und Berlin noch nicht "auf Augenhöhe mit den Besten" in Harvard, Stanford, Oxford oder Cambridge seien, habe Deutschland mit gerade mal knapp 500 Millionen Euro Exzellenzförderung pro Jahr Beachtliches erreicht. "Die Langatmigkeit ist etwas ganz Normales", tröstet Imboden. Eine hochschulpolitische Erfolgsgeschichte also, wenn auch eine mit Schönheitsfehlern

Deshalb wird die "Ex-Ini" auf jeden Fall fortgeschrieben - bis 2028, mit mindestens der gleichen Summe von Bund und Ländern. Und mit eher noch mehr Fokus auf Exzellenz als bisher. Eine der drei Förderlinien - die Graduiertenschulen für den wissenschaftlichen Nachwuchs - habe ihre Schuldigkeit getan, sagt Imboden. Die bisher 45 Kollegs an den Hochschulen werden wohl zu großen Teilen bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterkommen.

Die erfolgreichste Förderlinie hingegen soll als "Exzellenzcluster II" mit verlängerter Laufzeit von sieben bis acht Jahren ausgestattet sein. Und die bisherigen "Zukunftskonzepte" an derzeit elf Exzellenz-Hochschulen sollen in einen Leistungswettbewerb übergehen, als frei einsetzbare jährliche "Exzellenzprämien" von je 15 Millionen Euro für die zehn besten Unis.

Vom Geldsegen der Exzellenzinitiative werde nicht viel an der Uni-Basis ankommen, befürchtet indes die bundesweite Studentenvertretung fzs. "Das Lob der Sachverständigen, die Stimmung des gnadenlosen Wettbewerbs habe auch auf die nichtgeförderten Universitäten und Hochschulen gewirkt, sagt bereits alles", ärgert sich fzs-Vorstandsmitglied Marie Dücker. "Das Ellenbogensystem der Hochschulen untereinander wurde also wirksam eingeführt."

Im Ergebnis werde "ein Prinzip angesteuert, bei dem immer diejenigen viel erhalten, die ohnehin schon viel haben".