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Extremwetter mindert Ernte erheblich

Thomas Goebel, Vorsitzender des Bauernverbands Südbrandenburg, sieht einige Betriebe durch witterungsbedingte Ernteausfälle vor Existenzsorgen.
Thomas Goebel, Vorsitzender des Bauernverbands Südbrandenburg, sieht einige Betriebe durch witterungsbedingte Ernteausfälle vor Existenzsorgen. FOTO: Wendler
Vetschau. Erst Trockenheit, dann immer wieder Regen. Landwirte in Brandenburg und Sachsen müssen durch Ernteausfälle hohe Verluste verkraften. Simone Wendler

Die Stimmung bei vielen Landwirten in der Region ist gedrückt, denn sie fahren durch das extreme Wetter in diesem Sommer eine relativ schlechte Ernte ein. "Wir werden aller Voraussicht nach bei Getreide und Raps rund 45 Millionen Euro weniger Erlös in der Tasche haben als 2016", sagt Brandenburgs Landesbauernpräsident Hendrik Wendorff bei einer vorläufigen Erntebilanz mit Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD). Die findet auf einem Acker der Göritzer Agrar GmbH in der Nähe von Vetschau statt. Geschäftsführer ist Thomas Goebel, der auch an der Spitze des Bauernverbandes Südbrandenburg steht. "Es ist das dritte Jahr in Folge mit niedrigen Erträgen bei nicht auskömmlichen Preisen", sagt er. Der Mais stehe noch gut und könnte helfen, einige Löcher zu stopfen. Doch die Situation sei insgesamt sehr schwer: "Wir haben Existenzsorgen und brauchen Hilfe."

Die hat Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger auch angekündigt. Da je nach Region und Kultur erhebliche Einbußen bis hin zum Totalausfall zu verzeichnen seien, sei die Rahmenrichtlinie des Bundes für Hilfen nach extremen Wetterereignissen in Kraft gesetzt worden. Betriebe, die mehr als 30 Prozent Verlust bezogen auf den Durchschnitt der vergangenen drei Jahre nachweisen, können dafür einen Antrag stellen. Bis zum Monatsende hofft das Agrarministerium in Potsdam, einen Überblick über die Gesamtzahl der Anträge zu bekommen.

Der Süden Brandenburgs war in diesem Jahr nach Auskunft von Landesbauernpräsident Hendrik Wendorff von Wetterkapriolen doppelt betroffen. Im Frühjahr hatten vier Wochen Trockenheit dafür gesorgt, dass sich das Sommergetreide nicht richtig entwickeln konnte.

Ab Juni gab es dann immer wieder heftigen Regen, auch Sturm und Hagel. Äcker waren so nass, dass keine Erntemaschinen darauf fahren konnten: "Eigentlich müsste die Getreideernte durch sein, etwa zehn Prozent stehen aber noch auf dem Halm."

Beim Raps, einer für die Wirtschaftlichkeit vieler Betriebe wichtigen Sorte, liege die Ernte insgesamt ein Viertel unter dem durchschnittlichen langjährigen Ertrag, so Wendorff. Auch bei Weizen und Roggen werde der Durchschnittsertrag nicht erreicht. Dazu komme durch die anhaltende Feuchtigkeit eine schlechte Qualität: "Ein Teil unseres Getreides taugt nicht mehr zur Broterzeugung, sondern nur noch als Futtermittel."

Wie hoch die finanziellen Einbußen insgesamt sind, werde sich erst in einigen Wochen konkreter zeigen, wenn der größte Teil der Ernte verkauft sei. Die leicht angezogenen Marktpreise werden die Verluste jedoch nicht annähernd ausgleichen, so der Brandenburger Bauernpräsident.

Ähnlich wie in Brandenburg wird auch in Sachsen in diesem Jahr wetterbedingt eine Ernte unter den Durchschnittserträgen erwartet. Bis Mai gab es auch im Freistaat zu wenig Niederschläge, dafür aber immer wieder Nachtfrost. Im Juni mussten die Bauern sich dann mit viel Regen und Hagel herumschlagen. Zu den besonders betroffenen Regionen gehörte der Landkreis Bautzen. Die vorläufigen Hektarerträge liegen bei den meisten Kulturen unter dem fünfjährigen Mittel, so das Landwirtschaftsministerium in Dresden.

Auch im Freistaat blieb vor allem der Raps weit unter den Erwartungen der Landwirte zurück. Wegen immer wieder einsetzender Niederschläge ist die Weizenernte auch in Sachsen noch immer nicht abgeschlossen. Beim Körnermais hoffen die Bauern wie auch in Brandenburg noch auf guten Ertrag.

Thomas Goebel, Vorstandsvorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg verweist auf zusätzliche Kosten, die außer den niedrigeren Erträgen die Bauern belasten: "Das Getreide muss oft nach der schwierigen Ernte getrocknet und gereinigt werden." Beim Grünland sei es gerade im Spreewald schwer. Von 250 Hektar Wiesenfläche seiner Göritzer Agrar GmbH konnten 200 Hektar in diesem Jahr noch nicht befahren werden, um Grünfutter zu schneiden, weil sie einfach zu nass waren. Durch späte Nachtfröste im Frühjahr hatten in diesem Jahr auch die Obstbauern heftig zu leiden. Nach Auskunft von Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger gibt es bei Äpfeln regional unterschiedliche Verluste, die bis zu 90 Prozent betragen.

Erfreulich war das Erntejahr dagegen für den Spargel, die wichtigste Gemüseart in Brandenburg. Mit 55,5 Dezitonnen pro Hektar wurde der gesamtdeutsche Durchschnittsertrag von 53,9 Dezitonnen übertroffen. Nur 2014 und 2016 wurden mehr von den weißen Stangen in Brandenburg aus der Erde geholt.

Zum Thema:
Brandenburgs Bauern bewirtschaften rund 1,3 Millionen Hektar landwirtschaftliche Flächen. Etwa 550 000 Hektar werden für den Getreideanbau genutzt. 300 000 Hektar sind Dauergrünland.In Sachsen werden ebenfalls rund eine Million Hektar landwirtschaftlich genutzt. Mit rund 200 000 Hektar fällt der Grünflächenanteil deutlich geringer aus.Mit rund 39 000 Jobs in Brandenburg und rund 30 000 Jobs in Sachsen ist die Landwirtschaft in beiden Ländern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.