Am Samstag bereiten viele Tausende dem nach fast zwölf Jahren UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Krankheit entlassenen Extremistenführer Vojislav Seselj einen begeisterten Empfang.

Der Anschlag auf den Superreichen Beko weist Parallelen zu Dutzenden Morden an Geschäftsleuten und Politikern in den 90er-Jahren auf, die oft von der offiziellen Politik in Auftrag gegeben wurden. Regierungschef Vucic beeilte sich daher mitzuteilen, die Attentäter seien keine Profis gewesen, weil sie viele Spuren hinterlassen hätten. Nachdem am gleichen Tag ein pensionierter Soldat mit einer geladenen Pistole vor dem Regierungssitz erschienen war, verglich die größte Zeitung "Blic" am Sonntag Belgrad mit dem "Wilden Westen". In den 90er-Jahren seien "massenweise Morde auf den Straßen wie Pizza bestellt worden", erinnerte die Zeitung "Politika".

Auf der politischen Bühne sorgte Extremistenführer Seselj, dessen Prozess noch nicht abgeschlossen ist, für Unruhe. Seine beiden einstigen politischen Zöglinge, Staatspräsident Tomislav Nikolic und Regierungschef Aleksandar Vucic, hätten das Land verraten, um sich selbst zu bereichern. Er werde seine jetzt nicht mehr im Parlament vertretene Radikale Partei (SRS) wieder aufbauen und dann die "Verräter" Vucic und Nikolic in Neuwahlen ablösen. Während früher vor allem ältere Menschen nationalistischen Parolen folgten, sind am Samstag vorwiegend junge Leute zur Demonstration des wiedererwachten großserbischen Gedankenguts gekommen.

Die soziale Misere mit einem Rekord an Arbeitslosen und weitgehender Perspektivlosigkeit bildet offensichtlich einen idealen Nährboden für alte nationalistische Programme.