Die rechtsextreme Szene in der Lausitz ist bisher mit Anti-Asyl-Kampagnen besonders im Internet aktiv. Doch auch Versuche, Kundgebungen und Demonstrationen nach Pegida-Vorbild zu veranstalten, waren vor allem in der ostsächsischen Lausitz erfolgreich.

Im Januar schaffte es die sehr mitgliederschwache Partei "Die Rechte", in Bautzen zu einer Anti-Asyl-Demonstration 450 Teilnehmer auf die Straße zu bekommen. Mitglieder der NPD, der Partei "Die Rechte" oder parteiungebundene Rechtsextremisten beteiligen sich aber auch an asylkritischen Demonstrationen, die nicht von Extremisten organisiert werden.

Nach Beobachtungen des sächsischen Verfassungsschutzes treten sie in Ostsachsen dabei auch als Redner auf. Dabei verfolgen sie eine Doppelstrategie. Sie versuchen, rechtsradikale Positionen in die Asyldebatte hineinzutragen und gleichzeitig neue Anhänger zu gewinnen.

In Cottbus unternimmt gerade die NPD einen solchen Anlauf. Dabei versucht sie jedoch, sich zu tarnen, wie am vorigen Freitag zu beobachten war. Als Anmelder einer Demonstration gegen die Aufnahme von Flüchtlingen trat eine Privatperson aus dem NPD-Milieu auf. Kundgebungs-Redner waren mit Ronny Zasowk und Aileen Rokohl zwei NPD-Funktionäre, und auch die Ordner stellten die Rechtsradikalen.

Zasowk behauptete jedoch öffentlich, die Demo habe nichts mit der NPD zu tun, sondern sei Sache einer "Bürgerinitiative". Und er appellierte an die Cottbuser, sich nicht auf mehreren "nationalen" Demos zu verzetteln. Für den letzten Freitag im Oktober sei wieder eine Demonstration im Cottbuser Stadtteil Sachsendorf angemeldet.

Doch noch ist ungewiss, ob es der NPD als "Bürgerinitiative" getarnt gelingt, das Anti-Asyl-Protestpotenzial in Cottbus an sich zu binden. Am vorigen Freitag zogen nur etwa 150 Teilnehmer, etwa ein Drittel einer nicht angemeldeten Kundgebung gegen die Flüchtlingsaufnahme, später mit dem NPD-organisierten Zug durch den Stadtteil Sachsendorf.

Für kommenden Freitag gibt es nun wieder eine Anmeldung für einen Anti-Asyl-Protest in Cottbus, offensichtlich nicht von einem Extremisten, bei der etwa 800 Teilnehmer avisiert wurden. Dieses Protestpotenzial ist offenbar auch für die rechtspopulistische "Alternative für Deutschland" (AfD) von Interesse.

Am kommenden Montag wird die Bundessprecherin der AfD, Frauke Petry, zu einem "Bürgerdialog" nach Cottbus kommen. Zehn Tage später hat die AfD in Cottbus eine Kundgebung angemeldet. Die Partei, die nach der Spaltung im Sommer gerade im Osten von der Asyldebatte sehr stark profitiert, will offenbar anderen bei dem Thema nicht die Straße überlassen.

Petry versucht dabei, etwas moderatere Töne anzuschlagen als ihr Parteifreund Björn Höcke in Thüringen. Der bedient sich teilweise eines Vokabulars, bei dem der Übergang zu rechtsextremen Positionen fließend ist.

Alexander Gauland, AfD-Fraktionschef im Brandenburger Landtag, möchte gegen den "Zustrom von Fremden" am liebsten einen Zaun auch an der Grenze zu Polen errichten. Und er sieht inzwischen ganze "schwarzafrikanische Stämme" auf dem Weg nach Deutschland.

Doch in Cottbus werden nicht nur Asyl-Gegner aktiv. Am vorigen Freitag gingen in der Stadt mehrere Hundert Menschen für eine freundliche Aufnahme von Flüchtlingen auf die Straße. Auch für den Abend, an dem die AfD in Cottbus eine Kundgebung abhalten will, soll ebenfalls eine Gegenveranstaltung angemeldet sein.