Die Rentenversicherung bestätigte am Mittwoch auf Anfrage der RUNDSCHAU einen Bericht, wonach die nächste Rentenerhöhung im Juli kommenden Jahres ohne die jüngste Beitragsreduzierung um 0,4 Prozentpunkte niedriger ausfallen würde. In welchem Maße die Renten am Ende tatsächlich steigen, hängt allerdings von weiteren Faktoren ab, die zum Teil noch gar nicht feststehen.

Ursache für den kurios anmutenden Zusammenhang zwischen Beitragssenkung und Rentenerhöhung ist die komplexe Formel zur Berechnung der Altersbezüge. Demnach wirken sich niedrigere Beitragssätze im Folgejahr grundsätzlich rentensteigernd aus. Umgekehrt wirken steigende Beiträge rentenmindernd.

Da die Bundesregierung den Beitrag zum 1. Januar 2013 erneut senken will - von 19,6 auf 18,9 Prozent - würde sich dieser Mechanismus auch im Folgejahr für die Senioren auszahlen. Das Extraplus beläuft sich nach Angaben der Rentenversicherung dann auf 0,9 Prozentpunkte. Macht für beide Jahre zusammen ein Plus von 1,3 Prozent. Bei einem Rentner mit einer Rente von 1000 Euro sind das monatlich 13 Euro mehr, als es gemessen an der Lohn- und Beschäftigungsentwicklung möglich wäre. Die dafür ausschlaggebenden Zahlen liegen aber erst im Frühjahr 2013 vor.

Zugleich enthält die Rentenformel weitere Rechengrößen, die den Rentenanstieg von vornherein dämpfen. Eine davon ist der Riester-Faktor, der die Einkommen der Arbeitnehmer abzüglich ihrer möglichen privaten Vorsorge berücksichtigt. Durch diesen Faktor wird der Rentenanstieg im kommenden Jahr um 0,64 Prozentpunkte gemindert.

Ebenfalls dämpfend wirkt sich der Nachholfaktor aus. Er berücksichtigt den Umstand, dass es in der Vergangenheit wegen der zeitweilig negativen Lohnentwicklung sogar zu einer Kürzung der Rentenzahlungen hätte kommen müssen. Diese nicht vollzogene Minimierung soll für die Rentner in den alten Bundesländern letztmalig im kommenden Jahr mit der Rentensteigerung verrechnet werden.

Bei den Renten in den neuen Ländern ist dieser Prozess bereits abgeschlossen, weshalb es 2013 im Osten zu einer etwas stärkeren Rentenanhebung kommen dürfte als im Westen. Eine Prognose über die nächste Anpassung will die Rentenversicherung Mitte November abgeben.

Experten gehen aber schon jetzt von einem eher mageren Plus zwischen einem und zwei Prozent aus. In diesem Jahr waren die Renten um 2,18 Prozent im Westen und um 2,26 Prozent im Osten erhöht worden.

Unterdessen hat der Deutsche Gewerkschaftsbund in einem Brief an die Bundestagsfraktionen appelliert, die für heute anstehende Parlamentsentscheidung zur Absenkung des Rentenbeitrags auf 18,9 Prozent zu verschieben. Eine Beitragsreduzierung in diesem Umfang sei "hoch problematisch", weil noch gar nicht feststehe, wie sich die angepeilten Maßnahmen zur Bekämpfung der Altersarmut finanziell auswirkten, heißt es in dem der RUNDSCHAU vorliegenden Schreiben. Als Kompromiss schlägt der DGB eine Beitragssenkung auf nur 19,3 Prozent vor. Eine solche Forderung hatte zuletzt auch das schwarz-rot regierte Saarland erhoben.

Die SPD im Bundestag blieb jedoch am Mittwoch bei ihrer Linie, am bestehenden Beitragssatz überhaupt nicht zu rütteln. Jede Absenkung sei falsch, daher mache man sich auch keine Gedanken über eine teilweise Reduzierung, sagte ihr Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann.

Der Bundesrat wird voraussichtlich am 23. November endgültig über den künftigen Rentenbeitrag abstimmen. Der Regierungsplan könnte dort nur in Gefahr geraten, wenn sich eine Zwei-Drittel-Mehrheit dagegen ausspricht. Doch die ist nicht in Sicht.