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| 02:39 Uhr

Export turnt 2016 nahe am Abgrund

Berlin. Bisher ist der Export ein Wohlstandspfeiler Deutschlands. Doch wie lange noch? Deutlich wie nie hat Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes Außen- und Großhandel, vor den Risiken gewarnt, die die Weltkrisen für seine Branche bedeuten. Werner Kolhoff

Die Brandherde heißen: Mittlerer Osten, China und - Europa. Das größte Risiko liegt laut Börner aktuell in einer Zuspitzung des Konfliktes zwischen Saudi-Arabien und Iran. Jedes der Länder sei für sich genommen zwar für die deutsche Exportwirtschaft nicht so wichtig. Doch wenn es zu einem Brand in der Region komme, werde davon sofort die Weltwirtschaft betroffen sein. "Das würde uns erschüttern."

Ähnlich wäre es, wenn es in China eine "harte Landung" der bisher so zuverlässig wachsenden Wirtschaft gebe. "Dann haben wir nicht nur eine Rezessionsgefahr, dann haben wir die Rezession." Die Tatsache, dass der Dax am Montag wegen der chinesischen Börsenturbulenzen eingebrochen sei, zeige, wie eng beide Volkswirtschaften zusammenhingen. Ein Crash in China werde nicht nur den direkten Handel Deutschlands mit dem Land betreffen, sondern indirekt auch die Geschäfte mit dem gesamten asiatischen Markt und selbst mit den USA berühren.

Der 61-jährige Unternehmer steht dem Außenhandelsverband seit 15 Jahren ehrenamtlich vor und gilt eher als bedächtiger Wirtschaftsfunktionär. Allerdings auch als ehrliche Haut. Er verstehe seine Aussagen als Mahnung, sich den Herausforderungen zu stellen, sagte er am Dienstag bei seiner Jahresauftaktpressekonferenz. Das richtete sich vor allem an die Europäer.

Der Verbandspräsident listete die Herausforderungen auf: die nationalistischen Bewegungen in Polen, Ungarn und Frankreich, die Euroskepsis in England, die Wahlerfolge von Populisten in Spanien und Italien, die Grenzkontrollen in Skandinavien, die noch immer nicht wirklich gelöste Krise Griechenlands, die Geldpolitik der Zentralbank. Gefragt, wie er Europa in zwei Jahren sehe, antwortete Börner: "Man hat mir geraten, das nicht öffentlich zu sagen." Nur so viel: "Nicht positiv." Offene Grenzen, freier Handel, faire Kooperation seien Voraussetzungen des Wohlstandes gerade in Deutschland. Dazu gehöre auch das Freihandelsabkommen TTIP mit den USA. Europäern, die sich abschotten wollten, rief Börner zu: "Wisst ihr eigentlich, was für ein gefährliches Spiel ihr spielt."

Der Branchenumsatz werde 2016 bei 1,12 Billionen Euro stagnieren; bei der Beschäftigtenzahl werde es nur noch einen Zuwachs von 5000 Jobs auf 1,932 Millionen im Außen- und Großhandel geben, sagte Börner.