Viele der Bomben, Granaten und Raketen aber detonierten nicht, ganze Landstriche sind außerdem weiter von Minen übersät. Mit dem Waffenstillstand am vergangenen Montag wird der Einsatz der Räummannschaften vor Ort zu einem Wettlauf gegen die Zeit: Tausende Kriegsflüchtlinge, die vor allem von Viehzucht und Landwirtschaft leben, kommen in ihre Heimatdörfer zurück. "Wenn die Leute nach Hause zurückkehren, könnte das für eine humanitäre Katastrophe sorgen", sagt Marc Garlasco, Waffenexperte der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.
In den 34 Tagen des Konflikts sind im Libanon rund 150 000 Sprengkörper in den Vororten von Beirut und im Süden des Libanon niedergegangen. Mindestens zehn Prozent davon explodieren erfahrungsgemäß nicht beim Aufschlag. Dalya Farran vom UN-Koordinationszentrum gegen Minen (MACC) und ihr Team sind derzeit zusammen mit der libanesischen Armee im Südlibanon im Einsatz. "Wir müssen vor allem die Streubomben entschärfen, die zu Hunderten in den Wohngegenden verteilt sind", sagt sie. Auch Marc Masche ist bei den Räumungsarbeiten im südlibanesischen Tebnin mit vor Ort. Der Minenräumer der britischen Nicht-Regierungsorganisation Mine Adviserly Group (Mag), deren Experten mit der Uno zusammenarbeiten, erklärt, niemand schreibe den Kriegsparteien vor, die Anzahl der abgeworfenen Geschosse anzugeben.
Nur ein geübtes Auge erkenne im Chaos der zerstörten Straßen, Wege, Häuser und Gärten die fünf bis sechs Zentimeter langen und drei Zentimeter breiten Metallzylinder dieser Geschosse. "Die Mehrzahl der Streubomben sind schwer zu erkennen, weil sie sehr klein und oft mit Staub und Schutt vermischt sind", ergänzt Steve Priestley, Chef der Mag. "Es ist nicht schwer, sie zu entschärfen, doch sie zu sammeln, das ist ein wahrer Albtraum".
Das MACC hat außerdem kleine orangene, an Bälle erinnernde Sprengkörper gesammelt und fotografiert. Besonders auf Kinder wirken sie anziehend. Nach Einschätzungen von Priestley ist jedoch im überwiegenden Teil des von Israel zwischenzeitlich besetzten Territoriums nur große Munition gefunden worden, vor allem Granaten der Artillerie.
Die Arbeit der Räummannschaften wird langwierig sein, warnt Dalya Farran.