Bei der Umsetzung des Vorhabens Ende der 1990er-Jahre hat er jedoch nach Überzeugung des Landgerichtes Cottbus die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) und den Fiskus um mehr als eine halbe Million Euro Fördergeld und Steuern betrogen. Er habe entgegen der Förderrichtlinie statt neuer Maschinen nur gebrauchte gekauft, dazu noch von einer Firma in Sachsen-Anhalt, die ihm selbst gehörte. Zudem seien Scheinrechnungen ausgestellt und Leistungen einer Firma in Liechtenstein berechnet worden, die wohl nur auf dem Papier existierte, wurde in der Urteilsbegründung festgestellt.

Gegenseitige Beschimpfungen
Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichtes unter Vorsitz von Stefan Fiedler verurteilte den Angeklagten gestern zu 34 Monaten Gefängnis. Sollte er die Strafe antreten müssen - das Urteil ist noch nicht rechtskräftig -, werden ihm allerdings neun Monate Haft bereits als verbüßt angerechnet. Der Grund: Das Verfahren hatte dreieinhalb Jahre bei Staatsanwaltschaft und Gericht unbearbeitet in den Schubladen gelegen.
Der nach Auffassung der Richter „an sich eindeutige Sachverhalt“ sorgte an zehn Verhandlungstagen seit Juni dieses Jahres für Hochspannung und eine explosive Atmosphäre, die sich gestern in gegenseitigen Attacken der Juristen im Gerichtssaal entlud. Staatsanwältin Elvira Klein machte in ihrem Plädoyer Verteidiger Olaf Wernicke mitverantwortlich dafür, dass sein Mandant nicht mit einer Bewährungsstrafe davon kommen könne. Sie beantragte drei Jahre und acht Monate Haft.
Wernicke hält dagegen. In einem Vorgespräch vor der gerichtlichen Beweisaufnahme habe er den Angeklagten für den Preis eines „milden Urteils“ nicht vom Vorteil eines Geständnisses überzeugen können. Er habe weder die Anklage noch das Plädoyer der Staatsanwältin verstanden, begründete er und fügte sarkastisch hinzu: „Möglicherweise sind bei mir trotz langer Berufserfahrung Hirnstrukturen nicht entwickelt, die man dafür benötigt.“
Wernicke heizte auch dem Gericht gehörig ein. Das habe eine vorgefertigte Meinung, an der er mit seinem Plädoyer ohnehin nichts ändern könne, sagte er. Zudem habe es gegenüber seinem Mandanten „eine Verfolgungsaktivität“ entwickelt, wie er sie „noch nie erlebt“ habe.

Empörte Richter
Das Gericht reagierte empört. „Derartiges ist uns in dieser Form noch nicht vorgeworfen worden“ , erklärte Stefan Fiedler. Der sah seine ohnehin stark belastete Kammer durch die zahlreichen „Anträge ohne erkennbaren Erfolg“ , die Wernicke im Prozessverlauf gestellt hatte, nur zusätzlich belastet.
Der Konflikt war eskaliert, als die Cottbuser Richter den Angeklagten für mehrere Tage verhaften ließen, als dieser aus ihrer Sicht Ende Juli einen Prozesstermin geschwänzt und stattdessen eine Reise nach Polen unternommen hatte (die RUNDSCHAU berichtete). Eine Ärztin hatte Manfred K. Verhandlungsunfähigkeit attestiert. Fortan saß ein Mediziner mit im Gerichtssaal, um den Blutdruck des Angeklagten zu kontrollieren.
Der dürfte bei der Urteilsverkündung in die Höhe geschnellt sein, weil Manfred K. aus seiner Sicht stets korrekt gehandelt habe. Schuld gibt er anderen: der ILB, der bei den Geschäften ebenfalls involvierte Sächsischen Landesbank und der Politik mit ihrem für kleine Unternehmen ruinösen Gesetz über erneuerbare Energien. Denn das Werk in Calau, von der Bank im Jahr 2004 verkauft an ein Unternehmen in Bayern, produziere noch heute zum großen Teil mit der von ihm beschafften Technik, wie er behauptet.