Zusammen mit Experten versuchte der Ausschuss für Schule und Sport des Landtags am Freitag, Wege aus dem Lehrernotstand zu finden. In dieser Frage überlappen sich zwei Grundprobleme. Dass Sachsen zum einen seinen Lehrern keinen Beamtenstatus bietet, ist ein Standortnachteil im bundesweiten Werben um den Nachwuchs. Zweitens zieht es die ausgebildeten Pädagogen innerhalb Sachsens eher in den Umkreis der drei großen Städte Leipzig, Dresden und Chemnitz. Das Lehrpersonal muss aufgestockt und zudem umverteilt werden. Wie das angesichts knapper Haushaltsmittel und langfristig sinkender Schülerzahlen zu schaffen ist, dafür gibt es viele Vorschläge, aber noch kein taugliches Konzept.

Es reiche nicht, Lehramtsabsolventen aus anderen Bundesländern Referendariate in Sachsen anzubieten, ist Jens Weichelt vom Sächsischen Lehrerverband überzeugt. Lieber solle man Studenten und ausgebildete Lehrer anwerben, indem man ihnen gute Einkommens- und Statusbedingungen biete. „Wenn jetzt nicht Einstellungen in hoher Zahl erfolgen, läuft unser Schulsystem in die Demografiefalle“, sagte Weichelt.

Der Mangel macht sich an Sachsens Schulen derzeit durch sehr hohe Arbeitsbelastung insbesondere für ältere Lehrer bemerkbar. Die werden zudem immer öfter an andere Schulen abgeordnet, um kurzfristig Personallöcher zu schließen.

Sabine Gerold von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen forderte neue Modelle der Altersteilzeit. Es sei zudem nicht zu erwarten, dass junge Lehrer gern nach Plauen oder Zittau wollen, wenn die großen Städte mit deutlich besseren Bedingungen locken. Eva-Maria Stange, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, forderte von Kultusminister Roland Wöller (CDU) schnellstes ein Maßnahmenpaket zur Sicherung des Lehrerbedarfs bis 2030. Wöller sorgte am gestrigen Freitag für Irritationen in der Runde, weil er sich sehr zeitig aus dem Ausschuss entfernt hatte und nochmals heranzitiert werden musste.

Gelingt es nicht, den Lehrernotstand in den Griff zu bekommen, „werden Qualitätskompromisse geschlossen werden müssen“, warnte Jens Weichelt. Das würde unweigerlich zu Schließungen führen.

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Zum Thema Zu Beginn dieses Schuljahres wurden in Sachsen rund 630 Junglehrer neu eingestellt, in den nächsten beiden Jahren sollen 900 Referendare folgen. „Das ist nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung“, sagte Norbert Bläsner, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion. Die SPD-Fraktion im Landtag forderte unter anderem, bis 2020 keine weiteren Stellen abzubauen und die Gehälter an Westniveau anzupassen. Ansonsten drohe der Lehrerversorgung eine düstere Zukunft, hieß es aus dem Landtag. dpa/jag