D as künftige Bachelor- und Masterstudium, das ab 2013 die bisherige Lehrerausbildung ablöst, wird dafür deutlich mehr Praxisanteile im Studium haben. Die Junglehrer sollen an den Schulen noch weiter für die tägliche Arbeit qualifiziert werden. Das regelt das neue Lehrerbildungsgesetz, das in der vorigen Woche im Landtag beschlossen wurde.

Lehrer-Ausbilder befürchten, dass die praktische Vorbereitung auf den Schuldienst zu kurz kommt. "Es wird verkannt, dass die wissenschaftliche Ausbildung an einer Universität nie so intensiv mit der Praxis verzahnt sein kann wie der Vorbereitungsdienst", sagt Joachim Seibt, Landessprecher der Seminar- und Fachleiter. Das Praxissemester im Studium sei wissenschaftlich ausgerichtet, im Vordergrund stünden nicht die Probleme, mit denen ein Lehrer im Unterricht konfrontiert wird.

Seibt kritisiert weiterhin, dass alle Praktiker wie der Bundesarbeitskreis der Seminar- und Fachleiter, der Schulleiterverband, Pädagogenverband und auch die Lehramtskandidaten selbst nicht in die Diskussion einbezogen wurden. "Nur aus Spargründen wird an der Ausbildung gekürzt. Die Frage nach der Qualität der Ausbildung stellt keiner", wettert Seibt. Für ihn ist es eine Riesenpalette an Fähigkeiten, die Lehramtsstudenten im Vorbereitungsdienst erwerben müssen. Dazu gehören beispielsweise die Grundfertigkeiten der Kommunikation, die methodische Aufbereitung und fachdidaktische Umsetzung des Unterrichtsstoffes, die Zusammenarbeit mit den Eltern oder die pädagogischen und rechtlichen Regelungen bei Bewertungen.

Für die Staatsprüfung müssen die angehenden Lehrer neben einer mündlichen Prüfung auch ihre Eignung in einer Unterrichtsprobe unter Beweis stellen. "einer macht sich Gedanken, ob sie das überhaupt können. Wie soll das funktionieren und wo soll das hinführen?", fragt Joachim Seibt. Indem der Zyklus der Ausbildung verkürzt werde, erhöhe sich der Durchlauf und auch der Verwaltungsaufwand steige. Seibt sieht dadurch auch auf die Mitarbeiter des Landesinstituts eine enorme Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zukommen.

Gegenwärtig werden die künftigen Lehrer in den Landesinstituten für Lehrerbildung (LaLeb) in Bernau, Cottbus und Potsdam auf den Schuldienst vorbereitet. Alexander Noack gehört zu den Lehramtsstudenten, die in dieser Woche die Zeugnisse für das zweite Staatsexamen erhalten haben. Er wird künftig an der Oberschule in Döbern unterrichten. Noack hält es für bedenklich, dass ein Teil der praktischen Erfahrungen erst während der Tätigkeit als Junglehrer erworben werden soll. "Das LaLeb bietet die Möglichkeit, eine andere Perspektive einzunehmen. Außerdem fallen dann die Gespräche und der Austausch mit den anderen Lehramtskandidaten weg", sagt Alexander Noack. Auch Anja Handschick, die sich in der Ausbildung des Vorbereitungsdienstes befindet, hält den eingeschlagenen Weg für fragwürdig. "Was hier im Studienseminar gemacht wird, kann an den Schulen nur schwer geleistet werden. Wenn dann noch das Thema Inklusion dazukommt, wird es personaltechnisch sehr kritisch", befürchtet sie. Dass auch das Studium viel mehr Praxisnähe haben muss - da sind sich alle Lehramtskandidaten einig.

Im Brandenburger Bildungsministerium kann man die Kritik nicht nachvollziehen. Einen flächendeckenden Widerstand habe man bisher nicht gespürt. "Die Verzahnung zwischen Theorie und Praxis soll nicht zu kurz kommen, sondern sogar ausgeweitet werden", sagt Stephan Breiding, Sprecher des Bildungsministeriums. Bisher seien Studium, Vorbereitungsdienst und Berufseingangsphase getrennt gewesen. Mit dem neuen Gesetz werde sich das ändern. Mehr Praxisnähe im Studium und eine fachliche Begleitung der Lehrer durch Coaching und Supervision beim Berufsstart stehen auf dem Plan. "Damit ist verbunden, dass der klassische Vorbereitungsdienst verkürzt wird und das Landesinstitut für Lehrerbildung nur noch einen Teil der praktischen Ausbildung übernimmt", erklärt Breiding.

Dass Einsparungen die Motivation für die Gesetzesänderung waren, weist er von sich. Die bisher 900 Plätze im Vorbereitungsdienst bleiben, nur die Durchlaufzeit verkürze sich und die Mitarbeiter des Landesinstituts müssten umdenken. "Jeder hat natürlich einen anderen Blickwinkel. Wir glauben jedoch, mit dem neuen Gesetz einen guten Weg gefunden zu haben. Ob er sich bewährt, wird die Zukunft zeigen", so der Ministerium ssprecher.